Nachbericht zum BDU Personalberatertag „Wenn wir Menschen nicht mehr fordern, ist das würdelos“

Trends im Executive Search, die Potenziale von KI und die Qualitäten von Führungskräften waren zentrale Themen des „Deutschen Personalberatertags“, zu dem der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen am 27. Juni zum nunmehr 24. Mal einlud. PESONALintern war auf dem Petersberg bei Bonn dabei und fasst die Highlights für Sie zusammen.

Peter Holzer in seinem Vortrag (Bild: PERSONALintern / Alexander Kolberg)

Mut zur Haltung! forderte Peter Holzer in seinem Vortrag zum Auftakt des Deutschen Personalberatertags ein. (Bild: PERSONALintern / Alexander Kolberg)

„Wenn sich alle so organisieren würden, wie es sein müsste, bräuchte man keine Führung.“ Diese Feststellung bildete den Ausgangpunkt des Vortrags von Peter Holzer, der am vergangenen Dienstag den „24. Deutschen Personalberatertag“ mit seinem Plädoyer „Mut zur Haltung! Das zeichnet starke Führungspersönlichkeiten aus“ eröffnete.

Der Unternehmer-Coach für den Mittelstand bezeichnet sich als „Freund der unbequemen Wahrheiten“ und geizte vor den mehr als 150 Teilnehmenden nicht mit selbigen. Holzer beobachtet im Unternehmensalltag ein „Überstrapazieren von Empathie“ – dabei sei es die Aufgabe von Anführern, das Leistungslevel von Organisation und Mitarbeitenden zu steigern. „Wenn wir Menschen nicht mehr fordern, ist das würdelos.“ Führungskräfte sollten aber auch ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln. Dazu gehöre, dass die Geschäftsführung als Team auftrete und nicht als „Komitee“, in dem Egoismen im Vordergrund stehen. Zudem sollten sie Menschen beibringen mutiger zu sein. Dabei ist Peter Holzer wichtig:

Es geht nicht um Wagemut, sondern um den sozialen Mut, an der richtigen Stelle den Mund aufzumachen.

Personal Branding am Beispiel von LinkedIn

Verena Bender, Journalistin und Coach für Personal Branding, lieferte am Beispiel eines LinkedIn-Auftritts „Handfeste Hacks für die Praxis“, wie Positionierung und Sichtbarkeit der persönlichen Marke gelingen. Mut ist auch für Bender eine Grundvoraussetzung: „Wenn Sie eine Haltung haben, sollten Sie diese auch zeigen. Keinen Wischiwaschi-Content posten.“ Die Expertin gab unter anderem die Empfehlungen:

  • Das Profil vollständig ausfüllen (SEO-relevant); idealerweise mit individuellem Slogan im Kopfbereich
  • Content mit Mehrwert statt nur Akquisetexte
  • Nur fünf Prozent der User posten und liken aktiv – immer an die stillen Mitlesenden denken!
  • Drei bis fünf Hashtags reichen, besser im Text als drunter
  • Dranbleiben!!! Ideen sofort notieren und zwei bis drei Beiträge für schlechte Zeiten vorhalten

Wird KI der Killer für Personalberater?

Diese Frage diskutierte Arne Adrian, Fachverbandsleiter Personalberatung beim BDU, mit seinen Gästen Dr. Richard Hossiep (Co-Founder von Applysia), Alois Krtil (CEO von ARIC - Artificial Intelligence Center Hamburg) und Sven Semet (IBM HR Thought Leader). Kommen wir direkt zur Auflösung: Die Branche kann aufatmen. Denn so Krtil: „KI kann keine Empathie.“ Semet ergänzte: „Menschen auf die nächste Karrierestufe bringen kann KI nicht abbilden.“ Und Hossiep stellte fest: „KI repräsentiert den Durchschnitt.“ Tenor war aber auch:

Künstliche Intelligenz spart im Research-Prozess Zeit, die ins Matching investiert werden kann; ChatGPT ist hilfreich beim Erstellen von Stellenanzeigen; und: KI kann das Recruiting vorurteilsfreier machen, wenn es gelingt, Human Biases aus den Trainingsdaten zu eliminieren.

Last not least: Im Sinne von Datenschutz und Transparenz ist eine Regulierung von KI zu befürworten.

Arne Adrian, Sven Semet, Dr. Richard Hossiep, Alois Krtil (Bild: PERSONALintern / Alexander Kolberg)

V.l.n.r. Arne Adrian, Fachverbandsleiter Personalberatung beim BDU; Sven Semet, IBM HR Thought Leader; Dr. Richard Hossiep, Co-Founder von Applysia und Alois Krtil, CEO von ARIC - Artificial Intelligence Center Hamburg. (Bild: PERSONALintern / Alexander Kolberg)

Ausflug ins Leadership Paradise

Der „Fü(h)reinander-Experte“ Thorsten Hermes unterstützt aktuell den Deutschen Fußballbund bei Innovationsprojekten und entführte die Teilnehmenden in das „Leadership Paradise“. Dort erläuterte er, wie erfolgreiches Miteinander im Digitalzeitalter funktioniert und hob dabei besonders die drei Teamplayer-Qualitäten nach Patrick Lencioni hervor:

  • Humble („Um demütig zu sein, muss man seine Stärken und Schwächen kennen“)
  • Hungry („Keine Workaholics, sondern Leute, auf die man sich verlassen kann“)
  • Smart („Im Sinne von emotionaler Intelligenz und des Umgangs miteinander“)

Achtung: Die Qualitäten sind meist unterschiedlich stark ausgeprägt, das Fehlen einer davon mitunter toxisch. Hermes empfiehlt daher, Teammitglieder zur Reflexion des eigenen Profils anzuregen. Als Team, bei dem diese Qualitäten in der Breite hoch ausgeprägt sind, führte Hermes die Fußballnationalmannschaft der Frauen an.

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Transparent gemacht: Die Führungsebenen von Personalberatungen

Eine interessante Analyse der Zusammensetzung der ersten beiden Führungsebenen von zehn Top-Personalberatungen präsentierte Gunnar Belden, Vorstandsmitglied im BDU-Fachverband Personalberatung und Geschäftsführer der maturias Personalberatung. Unter die Lupe genommen wurden die als SHREKs bezeichneten SpencerStuart, Heidrick & Struggles, Russell Reynolds Associates, EgonZehnder und KornFerry sowie OdgersBerndtson, MU, HEADS!, Kienbaum und Deininger Consulting.

Was herauskam? Von den 140 anhand von 20 Kriterien betrachteten Partnern kommen 75 Prozent aus den Wirtschaftswissenschaften, haben 29 Prozent promoviert und 64 Prozent Berufserfahrung auf Industrieseite / 36 Prozent einen Beratungshintergrund, sitzen 47 Prozent in Frankfurt und haben 92 Prozent einen „typisch deutschen“ Namen. Im Unternehmensdurchschnitt sind 31 Prozent der Partner weiblich – HEADS! (40 %), OdgersBerndtson (38 %) und Spencer Stuart (37 %) liegen hier vorne. Der Vergleich mit den 127 nachrückenden Principals und Associate Partnern zeigt laut Belden:

Same, same, but different – im Prinzip hat sich die Branche reproduziert.

Sicherlich kein HR-Schelm, wer jetzt ein wenig schmunzeln muss. Weitere Ergebnisse: Die größte Bandbreite an Practice Groups haben Kienbaum (14), OdgersBerndtson (11) und MU (11). Und die beste Nachwuchsquote (hier: das Verhältnis Partner/Principals) haben EgonZehnder (1/2,4), Spencer Stuart (1/1,9) und Russell Reynolds (1/1,7). Die fünf Letztplatzierten bewegen sich hier zwischen 1/0,2 und 1/0,5. Ihnen droht laut Gunnar Belden „die Luft auszugehen“, wenn die bisherigen Partner von Bord gehen.

Gunnar Belden bei seinem Vortrag (Bild: PERSONALintern / Alexander Kolberg)

Gunnar Belden moderierte den Personalberatertag und wechselte für seinen Vortrag „Der gläserne Headhunter“ in die Speaker-Rolle. (Bild: PERSONALintern / Alexander Kolberg)

Diverse Teams führen zum Erfolg

Eine Diskussionsrunde unter Moderation von Harald Fortmann, Vorstand im BDU-Fachverband Personalberatung, und BDU-Vizepräsident Wolfram Tröger, beschäftigte sich mit „Trends im Executive Search“. Julia von Arco-Valley, Consultant bei Spencer Stuart, führte den oben genannten hohen Anteil von Führungsfrauen ihres Unternehmens auf eine täglich gelebte Priorisierung des Themas zurück und schrieb der gesamten Branche ins Stammbuch: „Diverse Teams führen zum Erfolg.“ In ihrer Praxis erlebt sie eine Internationalisierung der Executive Search. Die sieht Joy Edwin Thanarajah, Geschäftsführender Gesellschafter bei Deininger Consulting, ebenfalls, allerdings auch sprachbedingte Nachteile für den Standort Deutschland. Darüber hinaus stellte er fest: „Das Risiko besteht, das SHREKs und Co. deutsche Unternehmen aufkaufen.“ Christian Fuchs, Co-Founder der Nordic Minds GmbH, sah weiterhin Platz im Markt für Boutiquen wie die seinige. Potenziale für die Personalberatungsbranche erkannte er in der Nachfolgeplanung von Unternehmen. Was alle beobachteten:

Aufträge sind heute leichter zu akquirieren als abzuwickeln. Der Fokus verlagert sich noch mehr zu den Kandidatinnen und Kandidaten, die sich auch mehr als früher leisten würden, in späten Stadien der Vermittlung doch noch abzuspringen.

Das eine Prozent, das Unternehmen rettet

Den ebenso launigen wie erhellenden Tagesabschluss lieferte David Kriesel, Data Scientist bei Procter & Gamble, zum Thema „Big Data erleben und verstehen“. Am Beispiel des zunächst vielleicht skurril anmutenden persönlichen Projekts „SPIEGEL Mining“ zeigte Kriesel etwa auf, wie sich mit geschickter Datenauswertung belegen lässt, dass die SPIEGEL Online-Redaktion bei bestimmten Themen offensichtlich systematisch die Kommentarfunktion abschaltet (zum Beispiel bei „Islamistischer Terror in Frankreich“). Aber auch, wie sich anhand der Veröffentlichungszeiten von Artikeln Vorurteile etwa gegen Kultur-Redakteure (faul) und offenbar gleichzeitiger Urlaube Spekulationen über Affären unter Kollegen scheinbar bestätigen oder in die Welt setzen lassen. Allgemein gab Kriesel den bis zum Schluss zahlreich anwesenden Teilnehmenden auf den Weg:

Data Science heißt erst einmal Daten sammeln, und dann zu 99 Prozent Analysearbeit für nichts. Aber das eine Prozent rettet einem am Ende möglicherweise das Geschäft.

Was die Teilnehmenden noch mitnahmen: Die druckfrische Ausgabe der BDU-Studie „Facts & Figures zum Personalberatungsmarkt“. Eine Zusammenfassung können Sie hier auf unserem Schwesterportal CONSULTING.de lesen.

 

Über die Person

Alexander Kolberg ist als Redaktionsleiter für die Inhalte von PERSONALintern.de zuständig. Zudem unterstützt er innerhalb des Smart News Fachverlags die Redaktionen der Schwesterportale CONSULTING.de und marktforschung.de. Er verfügt über mehrjährige Redaktionserfahrung bei Fachpublikationen im Bereich Personalmanagement und war zudem über vereinhalb Jahre als Referent für einen Industrieverband tätig.
E-Mail: alexander.kolberg(at)personalintern.de

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