Kolumne von Christoph Hauke: „Führung special“ Führungskräfte brauchen „Wahr-Sager“ – unbedingt!

Führungskräfte aller Branchen sind umgeben von einem unsichtbaren, aber dennoch spürbaren Feld der Zustimmung. Diese Beobachtung macht unser Kolumnist Christoph Hauke. Er findet: In Zeiten der Echokammern und Bestätigungsverzerrung brauchen sie mutige Kollegen und Mitarbeitende, die ihnen auch einmal die Augen öffnen und ungeschminkte Wahrheiten präsentieren. Eine entsprechende Kultur gelte es zu fördern.

Wahrsager (Bild: picture alliance / imageBROKER | Gerald Abele)
Führungskräfte brauchen eine Vertrauensperson als „Wahr-Sager", die bereit ist, auch einmal ungeschminkte Wahrheiten zu präsentieren, so die Meinung von Christoph Hauke. Im Bild: Die Göttin der Wahrheit auf dem Dach des Theaters der Stadt Gera. (Bild: picture alliance / imageBROKER | Gerald Abele)

Moderne Führungskräfte stehen in einer Arbeitswelt, in der das Echo unserer eigenen Meinung oft lauter hallt als die Stimme der Vernunft, vor einer konstanten Herausforderung: unverfälschte Rückmeldungen zu erhalten. Ja, das gilt für Geschäftsführungen und Abteilungsleitungen, aber lassen Sie uns nicht den 26-jährigen Schichtführer in der Fabrikhalle vergessen.

Der Punkt ist, unabhängig von der Höhe des Sockels, auf dem wir stehen: Die Wahrheit erreicht uns in der Regel so gefiltert, dass von ihrer ursprünglichen Form wenig übrig bleibt.

Sagen, was gesagt werden muss

Führungskräfte, egal in welcher Branche, sind umgeben von einem unsichtbaren, aber dennoch spürbaren Feld der Zustimmung.

Mitarbeitende neigen dazu, das zu sagen, von dem sie denken, dass es gehört werden möchte, statt das, was gesagt werden muss.

Hier kommt der „Wahr-Sager" ins Spiel, eine Rolle, die in der modernen Arbeitswelt oft übersehen wird. Eine Vertrauensperson, die mutig genug ist, die ungeschminkte Wahrheit zu präsentieren – und zwar nicht in einer einmaligen heldenhaften Aktion, sondern als beständige Praxis. Die Bedeutung einer solchen Vertrauensperson kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn mit jeder Beförderung, mit jeder zusätzlichen Schicht aus Macht und Verantwortung, wird die Luft dünner, und die Wahrheiten, die uns erreichen, sind zunehmend verdünnt. Nach der zweiten, der dritten Beförderung ist die Situation nicht einfach verdoppelt oder verdreifacht – nein, sie ist exponentiell komplexer.

Die feine Ironie dabei? Wir glauben oft, durch unsere Erfahrung und unser Geschick könnten wir die Wahrheit filtern, die Realität erkennen. Doch in Wahrheit sind wir wie Kapitäne auf einem Schiff, das durch Nebel navigiert, ohne zu bemerken, dass unser Kompass längst manipuliert wurde.

Hier liegt die wahre Kunst der Führung nicht nur darin, Entscheidungen zu treffen, sondern auch darin, den Mut zu haben, sich von jemandem die Augen öffnen zu lassen.

Kein Luxus, sondern Notwendigkeit

Doch wie findet man diesen modernen „Wahr-Sager“? Es beginnt mit der Kultivierung einer Kultur der Offenheit und des Vertrauens, in der Meinungsverschiedenheiten nicht nur toleriert, sondern gefeiert werden. Es erfordert von uns, dass wir unsere eigene Verletzlichkeit akzeptieren und den Wert in den Worten jener erkennen, die mutig genug sind, uns zu widersprechen.

In unserer turbulenten Zeit, in der Echokammern und Bestätigungsverzerrung allgegenwärtig sind, ist der „Wahr-Sager“ mehr als nur ein Luxus – er ist eine Notwendigkeit. Für Führungskräfte, die bereit sind, ihre Ohren und Herzen zu öffnen, kann dieser vertraute Ratgeber der Schlüssel zu wahrer Weisheit und letztendlich zum Erfolg sein.

Denn am Ende des Tages ist es die ungeschminkte Wahrheit, die uns formt, uns herausfordert und uns erlaubt, über uns hinauszuwachsen.

Ich jedenfalls bin sehr dankbar für die „Wahr-Sager“, die mich begleitet haben und die mich aktuell begleiten!

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Über die Person

Christoph Hauke ist Redner, Impulsgeber, Ratgeber und Mentor mit 20+ Jahren Führungserfahrung. Er zeigt, wie generative KI die Führung auf vielfältige Weise revolutionieren wird.

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