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dossier.PLUS innovAItion days KI als Wachstumstreiber und CAIOs als Brückenbauer

Durch die zunehmende Verbreitung von ChatGPT & Co. gewinnt eine neue Position im C-Level zunehmend an Bedeutung: Chief Artificial Intelligence Officer. In seinem Beitrag beschreibt Kaan Bludau die zentralen Aufgabenbereiche von CAIOs, ihre Rolle innerhalb einer Innovationskultur und wie sie den Mehrwert von KI maximieren können.

CAIO (Bild: picture alliance / Zoonar | Alexander Limbach)
Bild: picture alliance / Zoonar | Alexander Limbach

Der kometenhafte Einschlag von ChatGPT vor etwa anderthalb Jahren hat eine tiefgreifende Transformation signalisiert. Seitdem ist das Thema Künstliche Intelligenz (KI oder Englisch: AI) in aller Munde, obwohl KI-Applikationen tatsächlich schon seit einigen Jahren fester Bestandteil unserer Geschäftswelt sind. Seien es einfache Empfehlungssysteme bei Netflix und Amazon, Spracherkennungssoftwares in Servicehotlines oder hochkomplexe Echtzeit-Analysen, die autonome Fahrzeuge steuern: Der Impact von KI wächst rapide und branchenübergreifend. Dadurch gewinnt eine neue Position im C-Level zunehmend an Bedeutung: Der Chief Artificial Intelligence Officer (CAIO).

Die Aufgabenbereiche eines CAIOs

Ganz allgemein ist die primäre Verpflichtung des CAIOs, durch den Einsatz von KI einen Mehrwert für seine Organisation zu stiften. Dazu gehört:

  • die Identifizierung von Möglichkeiten zur Integration von KI in bestehende Geschäftsprozesse,
  • die Auswahl geeigneter Technologien und Plattformen sowie
  • die Entwicklung von Richtlinien und Verfahren zur Gewährleistung der Datensicherheit und -integrität.

Dafür ist es natürlich unerlässlich, genauestens über die neuesten KI- und IT-Trends informiert zu sein. Dies gilt umso mehr, da die Einsatzbereiche von KI kontinuierlich diverser werden. Basierend auf den Bedürfnissen und Potenzialen des Unternehmens muss der CAIO eine KI-Strategie erarbeiten und sie daraufhin, in enger Kooperation mit der restlichen Führungsetage, mit der übergeordneten Unternehmensstrategie zusammenführen. Anschließend liegt es am CAIO, zu gewährleisten, dass sowohl die gemeinsam bestimmten Parameter (KPIs, Roadmap, Ressourcenverteilung usw.) als auch die Compliance Richtlinien (zurzeit noch extrem komplex) eingehalten werden.

Der Change ist das Ziel

Veränderung fällt Vielen schwer, die Einführung einer KI-unterstützten Arbeitsweise kann diesbezüglich besonders herausfordernd sein. Denn einige Mitarbeitende werden damit noch absolut keine Erfahrung gesammelt haben, teilweise gilt es zunächst ein grundlegendes Verständnis für die Materie herzustellen. Und je weniger Verständnis anfangs vorhanden ist, umso eher können sich Widerstände innerhalb der Belegschaft formieren. Der CAIO muss in der Lage sein, solche Widerstände mit Fingerspitzengefühl und Charisma aufzulösen und den Wandel als nahbare Ansprechstation und Vorbild voranzutreiben. Dafür sollte er oder sie unbedingt eng vernetzt mit allen Abteilungen und Bereichen der betreffenden Organisation sein. Auch Transparenz ist hier ein wichtiger Faktor, es hilft generell ungemein bei jeder Art von Transformation, die Belegschaft über die Hintergründe aufzuklären:

  • Aus diesem Grund stellen wir unsere Arbeitsweise um.
  • An diesen Punkt wollen wir gelangen.
  • Gibt es offene Fragen, Befürchtungen beziehungsweise Ängste und wie kann ich helfen?
  • Welche Ideen und Anregungen gibt es aus Sicht der Mitarbeitenden?

Je mehr die Mitarbeitenden das Gefühl haben, dass einerseits ihre Bedenken wahrgenommen und Anliegen berücksichtigt werden und dass sie andererseits den Change hin zu einer KI-unterstützten Arbeitsweise aktiv mitgestalten können, umso eher sind sie dazu bereit, sich positiv an einem Veränderungsvorhaben zu beteiligen. Jeder Top-Manager muss mittlerweile Change-Kompetenzen mitbringen. Da das Amt des CAIOs allerdings mit der Einführung von neuen Technologien und Arbeitsweisen verbunden ist, gilt das für ihn oder sie ganz besonders.

Fehler und Kultur

Eine nachhaltige, ganzheitliche Transformation geht jedoch über die bloße Etablierung von neuen Werkzeugen hinaus, das gilt auch in Bezug auf KI. Solch eine Transformation zielt stets darauf ab, einen Kulturwandel im Unternehmen herbeizuführen. Für den CAIO bedeutet das, die Akzeptanz und Integration von KI wie beschrieben zu fördern, bis sie selbstverständlicher Teil des Arbeitsalltages geworden ist. Darüber hinaus sollte ein herausragender CAIO darauf abzielen, eine innovative und positive Fehlerkultur zu etablieren. Denn auch wenn es für Viele abwegig klingt: In Irrtümern und Missgeschicken liegt eine ungeheure innovative Kraft.

Wenn Menschen in ihrer Arbeit das Gefühl haben, keine Fehler machen zu dürfen, wird die deutliche Mehrheit versuchen, Experimente jeder Art möglichst zu vermeiden. Das Wort „Experiment“ impliziert ja bereits, dass man sich des Ausgangs unsicher ist, Fehler sind quasi vorprogrammiert. Doch wer nicht experimentiert, kommt nur sehr selten auf eine gute Lösung, geschweige denn auf die bestmögliche. Dies gilt sowohl im Kleinen, wie zum Beispiel für Prozesse des operativen Geschäftes, als auch im Großen, wie zum Beispiel für Organisationsstrukturen oder Vertriebsmodelle.

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Brücken bauen!

Ein erfolgreicher CAIO versteht, dass weder moderne Technologie noch qualifiziertes Personal der alleinige Schlüssel zum KI-Erfolg sein kann. Es ist vielmehr das Zusammenspiel von Mensch und Technologie, das den erfolgsentscheidenden Unterschied machen wird. Die Kombination aus menschlichem Bauch- und Fingerspitzengefühl einerseits und moderner Hochrechenleistung andererseits ist, unabhängig von Markt und Branche, das mächtigste wirtschaftliche Werkzeug unserer Zeit. Und genau diese Synergie herzustellen, ist letztendlich die Hauptaufgabe eines CAIOs.

Durch Schulungen und kontinuierliche Weiterbildung kann der CAIO sicherstellen, dass die Mitarbeitenden nicht nur mit der Technologie Schritt halten, sondern ein tiefergehendes Verständnis für die Potenziale, Risiken und Anwendungsbereiche von KI entwickeln. Auch Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, öffentlichen Institutionen oder Start-Ups können hier von enormem Vorteil sein. Speziell vor dem Hintergrund einer sich stetig wandelnden Technologielandschaft, die uns in immer kürzeren Zeitabständen vor immer komplexere Herausforderungen stellt, wird es zunehmend wichtiger, proaktiv zu handeln und nicht nur auf aktuelle Trends zu reagieren.

 

Über die Person

Kaan Bludau ist Gründer und Geschäftsführer von BludauPartners Executive Consultants GmbH, die auf die Besetzung von gehobenen Top-Management-Positionen spezialisiert ist. Zudem ist er Inhaber von GEMINI Executive Search GmbH, die als Wegbereiter in der Entwicklung und Besetzung der Position des CAIO gilt und gezielt Fach- und Führungskräfte über KI-basierte Technologien innerhalb des KI-Sektors vermittelt.

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