Personalfokus Vollzeitbeschäftigte wünschen sich kürzere Arbeitszeiten und weitere HR-Studien

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung würden viele Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit gerne reduzieren. Außerdem ist das Stellenangebot diesen Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent geringer und eine Studie hat enthüllt, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer auch trotz Zufriedenheit passiv nach einem neuen Job suchen. Zudem sind EMEA-Unternehmen führend beim Interesse an KI und Machine Learning.

Personalfokus

Vollzeitbeschäftigte wünschen sich kürzere Arbeitszeiten

Vollzeitbeschäftigte würden gern kürzer arbeiten, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im Jahr 2021 wollten 49 Prozent der Frauen und 58 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit reduzieren. Insgesamt sind die gewünschten Arbeitszeiten über die Jahrzehnte aber bemerkenswert stabil geblieben. Vollzeitbeschäftigte Frauen würden gern ihre tatsächliche Arbeitszeit von 40,9 Stunden um 6,2 Stunden reduzieren. Vollzeitbeschäftigte Männer hatten eine durchschnittliche tatsächliche Arbeitszeit von 42,3 Stunden und würden diese gern um 5,5 Stunden reduzieren. Bei teilzeitbeschäftigten Frauen gab es bis zur Coronapandemie einen Aufwärtstrend bei den Arbeitszeitwünschen. 2021 wollten teilzeitbeschäftigte Frauen mit 25 Stunden zwei Stunden länger arbeiten als noch vor 20 Jahren.

Die Rolle von Rahmenbedingungen

Enzo Weber, Leiter des Bereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB, betont: „Beim Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten müssen auch die veränderten Erwerbskonstellationen in den Familien berücksichtigt werden.“ So gehöre das männliche Alleinernährermodell der Vergangenheit an. „Nicht jedes Arbeitsmodell ist in jeder Lebensphase gleich gut geeignet. Die Arbeitszeitwünsche fächern sich immer weiter auf. Deshalb sollten Arbeitszeiten individuell angepasst werden können“, empfiehlt Weber. „Das Potenzial mehr Arbeitsstunden zu mobilisieren ist, bei den Arbeitszeitwünschen begrenzt. Wenn aber die Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuung, Mobilarbeit und Erwerbsanreize verbessert würden, dürften auch die Arbeitszeitwünsche nach oben gehen“, erklärt Ökonom Weber.

Sonderrolle der GenZ?

In der IAB-Studie haben die Forschenden auch untersucht, wie sich die Arbeitszeitwünsche in den verschiedenen Altersgruppen entwickeln. Ein Trend zu mehr Freizeit wird oft an den Wünschen der jüngeren Generationen festgemacht. Bei Frauen unter 25 Jahren, die zur sogenannten Generation Z gehören, sind die Arbeitszeitwünsche seit dem Jahr 2009 um sieben Stunden zurückgegangen. Es zeigt sich allerdings, dass dies auf einen deutlich gestiegenen Anteil von Minijobberinnen und Studentinnen unter den jungen Frauen zurückgeht. „Eine Sonderrolle der angeblich arbeitsunwilligen Generation Z gibt es nicht“, erklärt IAB-Forscher Weber.

Die Studie beruht auf Daten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), einer jährlich durchgeführten Befragung von 30.000 Personen.

Der IAB-Forschungsbericht ist hier online abrufbar.

Stellenangebot sinkt im Jahresvergleich um über 18 Prozent, Nachfrage nach Sales-Mitarbeitern gestiegen

Die konjunkturelle Schwäche dämpft die übliche Herbstbelebung am Arbeitsmarkt. Dies spiegelt sich im saisonbereinigten Index-Stellenmarktindikator für Oktober 2023 deutlich wider, der mit 181,23 Punkten zwar zwei Prozent über dem Vormonatswert liegt, jedoch die Kennzahl von Oktober 2022 um rund 18 Prozent unterschreitet. Das ist das zentrale Ergebnis des neuen Index-Stellenmarktindikators, der seit August 2023 monatlich über die wichtigsten Entwicklungen am deutschen Stellenmarkt informiert und auf ausgeschriebenen Positionen in 137 Printmedien und 42 Online-Jobbörsen basiert.

Stellenmarkt entwickelt sich in einzelnen Branchen sehr unterschiedlich

Bei näherer Betrachtung der verschiedenen Branchenindizes in den letzten zwölf Monaten zeichnete sich im Oktober ein gemischtes Bild ab: Während die ausgeschriebenen Stellen in der Energieversorgung leicht (plus 0,6 Prozent) gestiegen sind, gab es vor allem in der Industrie (minus 32 Prozent) und im Baugewerbe (minus 26 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat deutliche Einbrüche.

Stellenangebot variiert je nach Berufsgruppe

Zusätzlich zur Branchenanalyse betrachtet Index ab diesem Monat auch die Entwicklung innerhalb einzelner Berufshauptgruppen. Bei den Berufsprofilen zeichnen sich unterschiedliche Tendenzen ab: So schalteten Unternehmen mehr Stellenangebote für Vertriebler und Verkäufer (plus 14 Prozent). Die Nachfrage nach lehrenden und ausbildenden Berufen (minus 24 Prozent) sowie nach Mathematik-, Biologie-, Chemie- und Physikberufen (minus 30 Prozent) fiel hingegen im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich geringer aus.

Personalfokus index Stellenmarktindikator (Grafik: index Gruppe)

Mitarbeiterzufriedenheit: Gehen oder bleiben?

74 Prozent der abhängig Beschäftigten in der Privatwirtschaft sind aktuell mit ihren Arbeitgebern zufrieden. Bindungsrisiken könnten aber bei einer bislang wenig beachteten Gruppe entstehen: den Passivsuchenden, die sich nicht aktiv bewerben, aber die Augen offenhalten. Ihr Anteil liegt bei 53 Prozent. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, für die die Cubia AG im Juli 2023 1.338 Mitarbeitende in Voll- und Teilzeitbeschäftigung online befragt hat, davon 300 Mitarbeitende aus dem Öffentlichen Dienst.

Nur ein kleiner Teil sucht aktuell aktiv

Wie hoch ist der Anteil der Mitarbeitenden in der Privatwirtschaft, die aktuell nach anderen Jobs Ausschau halten? 8 Prozent der Befragten suchen derzeit aktiv. 39 Prozent interessieren sich aktuell generell nicht für Jobangebote anderer Arbeitgeber. 53 Prozent sind Passivsuchende, die zwar für Jobangebote offen sind, sich aber nicht aktiv bewerben. Sie könnten angesichts der für Mitarbeitende günstigen Verhältnisse für Unternehmen zum Risiko werden. „Der Stand bei der Mitarbeiterzufriedenheit ist aktuell nicht alarmierend, aber über die Hälfte hält die Augen nach alternativen Angeboten offen. Hier entstehen Bindungsrisiken, auf die Arbeitgeber frühzeitig reagieren sollten,“ sagt Dr. Jürgen Kaschube, Wissenschaftlicher Berater bei Cubia.

Zugang zu Jobs – als leicht empfunden

46 Prozent der privatwirtschaftlich beschäftigten Mitarbeitenden finden es aktuell leicht, in ihrem Berufsfeld einen anderen Job zu finden (addierte Werte „Trifft voll und ganz zu“ sowie „Trifft weitgehend zu“). Bei Akademikern ist dieser Anteil mit 56 Prozent zwar deutlich höher als bei Menschen mit einfachem Schulabschluss (Real- oder Hauptschule), auch hier liegt er jedoch bei 43 Prozent.

Mehrheit zufrieden mit Arbeitgeber

Insgesamt sind 50 Prozent der Arbeitnehmer mit ihrem privatwirtschaftlichen Arbeitgeber „vollkommen“ oder „weitgehend zufrieden“. Nimmt man noch diejenigen dazu, die sich für die Antwortoption „eher zufrieden“ entschieden haben, liegt der Anteil der Zufriedenen bei 74 Prozent. „Eher“, „weitgehend“ oder „vollkommen unzufrieden“ sind dagegen nur 13 Prozent. Für eine Big Resignation liefern diese Daten keine Anhaltspunkte.

Zeitliche Perspektive und Leidensfähigkeit

Nicht ganz ein Drittel der privatwirtschaftlich Beschäftigten (32 Prozent) stellt sich die ideale Dauer des Beschäftigungsverhältnisses als „lebenslange Beschäftigung“ vor. 62 Prozent votieren für ein eher langfristiges Verhältnis, gehen aber von mehreren Wechseln im Lauf ihres Erwerbslebens aus. 6 Prozent stellen sich einen ständigen Wechsel vor. 14 Prozent der in der Privatwirtschaft Beschäftigten schätzen ihre Bereitschaft, auch in schwierigen Situationen beim Arbeitgeber zu bleiben, als „eher“ oder „sehr gering“ ein. 81 Prozent halten sie für „sehr“ oder „eher groß“.

Kündigungsgründe: bessere Angebote, schlechte Führungskraft, Gehalt

Menschen verlassen aktuell ihren Arbeitgeber, wenn ein attraktiveres Angebot vorliegt. 45 Prozent der Befragten aus der Privatwirtschaft haben schon einmal aus diesem Grund gekündigt. Am zweithäufigsten genannt wird mit 43 Prozent das als negativ erlebte Verhalten der eigenen Führungskraft. An dritter Stelle folgt die Höhe des Gehalts (42 Prozent). Ein Mangel an Sinn wird bei den Kündigungsgründen nur selten genannt. Anders ausgedrückt: Eine als sinnvoll erlebte Arbeit reicht nicht aus, um Kündigungen zu verhindern. Wenn Bezahlung und direkte Führung nicht passen, gehen Mitarbeitende.

Zum Download der kompletten Studie geht es hier.

Jetzt den PERSONALintern-Newsletter abonnieren

Personalveränderungen +++ Fachbeiträge +++ Termine +++ Stellenangebote
Wir beliefern wöchentlich mehr als 9.000 Abonnenten

Studie: EMEA-Unternehmen sind führend beim Interesse an KI und ML

52 Prozent der EMEA-Führungskräfte begrüßen den Nutzen von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning für ihr Unternehmen. Damit liegen sie vor ihren Peers in Amerika (50 %) und im asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum (46 %). Österreich (62 %) Großbritannien (60 %) und die Schweiz (58 %) gehen bei der Einführung von KI und ML voran, während Norwegen (40 %), Dänemark (44 %) und Deutschland (45 %) weniger Enthusiasmus zeigen. 44 Prozent der EMEA-Unternehmen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um agiler zu werden und Ressourcen schneller und bedarfsgerechter zuzuweisen. Das geht aus einer Studie des Software-Unternehmens Workday hervor.

Unterschiede in den Führungsetagen

Trotz aller Offenheit haben der Studie zufolge verschiedene Führungsfunktionen eine unterschiedliche Sicht auf KI und ML beziehungsweise deren Implementierung. 

  • CEOs befürworten KI und ML grundsätzlich: 53 Prozent der EMEA-CEOs wollen entsprechende Technologien in ihrem Unternehmen einführen. Gedämpft wird ihr Enthusiasmus durch die Sorge vor möglichen Fehlentscheidungen, die KI- und ML-Systeme treffen könnten.  
  • Im Finanzwesen sind KI und ML schon am weitesten verbreitet. 19 Prozent der CFOs von EMEA-Unternehmen geben an, dass ihre Teams KI-Lösungen zunehmend oder umfassend nutzen. In Nord- und Südamerika äußern sich nur 7 Prozent der CFOs vergleichbar positiv. Finanzverantwortliche in der EMEA-Region nutzen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen für Prognosen, Budgetentscheidungen und Szenarioplanungen sowie zur Unterstützung strategischer Planungen in verschiedenen Geschäftsbereichen. 
  • Das Personalwesen hat noch Nachholbedarf: Zwar zeigen sich 44 Prozent der EMEA-Personalverantwortlichen offen für das Potenzial von KI und ML; 49 Prozent haben entsprechende Technologien in ihren Teams aber noch nicht eingeführt. 
  • IT-Verantwortliche sind zu 51 Prozent davon überzeugt, dass sie mit KI- und ML-Lösungen andere Teams besser unterstützen beziehungsweise einen höheren strategischen Mehrwert erzielen können. Unter IT-Leadern scheint sich demnach eine positivere Einstellung gegenüber KI und ML durchzusetzen. 

Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung im Mai und Juni 2023 unter 2.355 Senior Business Executives, davon 860 aus der EMEA-Region, und einer zweiten, kleineren Umfrage unter 550 EMEA-Managern, die ebenfalls im Mai und Juni 2023 stattfand.

 

Kommentare:

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel. Machen Sie gerne den Anfang!


Bitte loggen Sie sich ein, um zu kommentieren:

Bitte warten, Verarbeitung läuft ...