Serie „7 Erfolgsfaktoren für die Workforce Transformation“ (Teil 7) Technologien von morgen in die heutigen Transformationspfade integrieren

Neue Technologien sind Treiber für Veränderungsprozesse und gleichzeitig vielfach Erfolgsfaktor für ihr Gelingen. Im siebten und letzten Teil der Serie „Erfolgsfaktoren für die Workforce Transformation“ erläutert Transformations-Expertin Sophia von Rundstedt, wie Unternehmen mit Hilfe des 3L-Konzepts (Lernen, Leisten, Loslassen) das Potenzial neuer Technologien für den eigenen Transformationspfad entdecken und gibt Tipps, um kurzfristig Veränderungsenergie freizusetzen.

Mädchen mit VR-Brille (Bild: picture alliance / Zoonar | Ilja Enger-Tsizikov)

Bild: picture alliance / Zoonar | Ilja Enger-Tsizikov

Sabine Feininger (Name geändert), Mitte 50 und Geschäftsführerin einer mittelständischen IT-Beratung, schaut amüsiert und nachdenklich zugleich auf die lautstarke Spielfreude ihrer sechsjährigen Enkelin Marie an der neuen VR-Konsole. Ihre Erinnerungen gleiten zurück in die späten 1990er Jahre. Mit ihrer kleinen Tochter auf dem Schoß verfolgte sie als frisch gebackene Wirtschaftsinformatikerin den Vortrag eines amerikanischen Gastprofessors. Seine Vision von einem Zusammenwachsen von Künstlicher Intelligenz und Virtueller Realität (VR) faszinierte sie damals sofort. Gern hätte sie ihre berufliche Laufbahn diesem Thema gewidmet, aber die Ernüchterung erfolgte bald, wenngleich ihr später eine erfolgreiche Karriere in der IT-Beratung gelingen sollte. Sie blickt nun noch intensiver auf den Umgang ihrer Enkelin mit der Spielkonsole. Wie werden KI und VR die Arbeitswelt verändert haben, wenn Marie ihren ersten Job beginnt …?

Im Hier und Jetzt das Festhalten am Status Quo überwinden

Seit einigen Jahren wird auch hierzulande gern vom Growth Mindset gesprochen, das mittlerweile auch auf Unternehmen angewandt wird. Allerdings sind damit allzu häufig Wachstum und Optimierung im Rahmen des bisherigen Geschäftsmodells gemeint. Man hofft, mit neuen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI), die erfolgreiche Vergangenheit in die unsichere Zukunft fortschreiben zu können. Wer diesen Ansatz verfolgt, baut sich mit kostenaufwändigen Tech-Investitionen eine ernstzunehmende Barriere für die Transformation des Unternehmens (Fixed Mindset).

Daher braucht es ein radikales und zusammenführendes Neudenken der drei wesentlichen Erfolgsfaktoren für jedes Unternehmen: Geschäftsmodell, Mitarbeitende und Technologie.

Das erfordert von allen internen und externen Akteuren Selbstkritik, echte Neugier auf Menschen und Technologien sowie eine unerschrockene Tatkraft.

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Mit dem 3L-Konzept das Potential von Technologien entdecken

Gerade für mittelständische Unternehmen ist die Bewertung und Implementierung von Technologien wie KI eine extreme Herausforderung, da sie im Unterschied zur Konzernwelt weder über die finanziellen Ressourcen noch über die erforderliche Anzahl von Digitalisierungsexperten verfügen. Dabei bietet KI gerade dem Mittelstand in der Industrie und im Dienstleistungssektor im Verbund mit anderen Technologien echte Chancen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, um entweder eigene Ökosysteme mit Partnern zu entwickeln oder um in Ökosystemen größerer Unternehmen als wertschöpfender Partner mitzuwirken.

Hier lohnt es sich für jedes Unternehmen, das 3L-Konzept aus Lernen, Leisten und Loslassen an den eigenen Transformationspfad anzupassen und die richtigen Fragen zu stellen:

1. Lernen 

  • Welche Technologien unterstützen uns jenseits von Hypes und Buzzwords bei der Neuerfindung unseres Geschäftsmodells? 
  • Wie entfalten wir eine mutmachende Kultur des Lernens und Experimentierens, in der sich Geschäftsführung, Führungskräfte und Mitarbeitende je nach Talent und Qualifikation in neue Technologien einarbeiten? 
  • Mit welchen Unternehmen in unserer Region können wir Netzwerke entwickeln, um die knappen Ressourcen an Know-how und Experten optimal zu teilen und zu nutzen? 

2. Leisten 

  • Wie überführen wir neu erworbenes technologisches Know-how in konkrete Anwendungsprojekte mit zeitnahem Feedback von Kunden und Partnern? 
  • Wie gelingt es uns, unseren Kunden mittels neuer Technologien neue Erlebnisse der Zufriedenheit zu verschaffen und ihnen zugleich starke Impulse für ihre eigene Transformation zu vermitteln? 
  • Welche bewährten und innovativen Instrumente benötigen wir, um unsere Beschäftigten für den ungewohnten und anstrengenden Weg der lernenden Arbeit zu befähigen und zu motivieren? 

3. Loslassen 

  • Wie wenden wir neue Technologien an, um uns von der klassischen Hierarchie des Command & Control zu einem Netzwerk-Unternehmen mit Nahtstellen zu Kunden und Partnern weiterzuentwickeln? 
  • Von welchen formellen Regelwerken und informellen Denkmustern müssen wir uns verabschieden, um uns nicht selbst auf dem Transformationspfad zu blockieren? 
  • In welcher Weise unterstützen wir jene Führungskräfte und Mitarbeitende beim beruflichen Neustart, denen es an der Fähigkeit oder an der Bereitschaft mangelt, unseren Weg der Veränderung mitzugestalten? 

Den menschlichen Erfolgsfaktor für die Technologien von morgen entfalten

Seit einigen Monaten erleben wir dank der Endkundenlösung ChatGPT des US-Unternehmens OpenAI eine mitreißende KI-Welle.

In vielen Unternehmen schwanken die Emotionen zwischen begeisterten Visionen und angstbesetzen Blockaden.

Extreme Haltungen helfen uns aber nicht weiter, denn wir brauchen einen pragmatischen und zugleich ethisch geleiteten Blick auf die Chancen und Risiken von KI und weiterer Technologien. Daher sollte der Fokus auf Technologien in den Unternehmen durch die kontinuierliche Arbeit am menschlichen Erfolgsfaktor eingerahmt werden.

Sich rasant verändernde Technologien zu beherrschen, bedeutet in den kommenden Jahren einen enormen Kraftaufwand für die Mitarbeitenden. Zusätzlich zum Arbeitgeber-Angebot von Weiterbildung „on the job“ und „off the job“ werden Beschäftigte auch eigene Ressourcen an Freizeit und Ersparnissen für ihre Arbeitsmarkt-Fitness investieren müssen. KI & Co. werden die Arbeitswelt von heute radikal verändern. Deren Veränderungspfad wird jedoch nicht mehr linear sein: Im Unterschied zur statischen Schnittstelle Mensch-Computer der letzten 40 Jahre wird die Nahtstelle von Mensch-KI+ eine dynamische Natur haben. Hier werden wir widersprüchliche Veränderungen erleben, die sich in Tiefe und Geschwindigkeit sehr unterscheiden werden. Dazu gehören sowohl ein stark verändertes Sinnerleben menschlicher Arbeit im Schatten der KI, als auch der Verlust von Arbeitsplätzen und die Entwertung von Berufsprofilen.

Unternehmen werden diese gewaltigen Veränderungen allein nicht abfangen können, sondern sind auf eine langfristige Zusammenarbeit mit Staat und Gesellschaft angewiesen. Jedes Unternehmen kann bereits heute mit einem breiten Instrumentenmix beginnen, um die eigenen Beschäftigten mit ihren jeweiligen Potenzialen auf die Transformationsreise mitzunehmen (siehe Teil 3, Teil 4 und Teil 6 dieser Serie).

Statt simplifizierender Lösungsschablonen und vollkommener Regelwerke brauchen wir in unserem Land und in unserer Wirtschaft Freiraum für Experimente und Mut zum Scheitern, das nicht als Fehlleistung arbeitsrechtlich sanktioniert wird.

Drei Tipps: So setzen Sie Veränderungsenergie frei

Um die Veränderungsenergie in Ihrem Unternehmen freizusetzen, starten Sie noch heute mit einem der drei Vorschläge, egal ob Sie in der Rolle der Geschäftsführung, Führungskraft oder Personalverantwortliche die Transformation vorantreiben möchten:

  1. Nehmen Sie sich die Zeit und Muße, ein Buch über KI durchzuarbeiten. Unser Lesetipp: Kai-Fu Lee/Quifan Chen: KI 2041 – Zehn Zukunftsvisionen 
  2. Starten Sie mit einem kostenfreien Einführungskurs zum Thema „Data Science“ an einer der renommierten US-Universitäten. Unser Kurstipp: Data Science - Machine Learning (Harvard University: https://pll.harvard.edu/course/data-science-machine-learning
  3. Organisieren Sie gemeinsam mit dem Betriebsrat, benachbarten Unternehmen und der nächstgelegenen Hochschule einen KI-Erlebnisnachmittag. Unser Veranstaltungstipp: Ein guter Mix aus Vorträgen, Workshops und Live-Experimenten, die die unterschiedlichen Beschäftigten-Gruppen ansprechen. 
 

Über die Person

Sophia von Rundstedt ist geschäftsführende Gesellschafterin der Unternehmensberatung von Rundstedt. Seit 2011 führt die Juristin das Familienunternehmen in zweiter Generation. Es ist ihr ein großes Anliegen, die Transformation vom Marktführer für Outplacement zum strategischen Partner für Workforce Transformation mutig voranzutreiben und dabei zugleich die Leitwerte des von ihrem Vater gegründeten Unternehmens zu bewahren.

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