Personalfokus Personalverantwortliche vernachlässigen Sozialfragen, Ghosting beim Jobantritt und Personio mit neuem Standort

Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass Personalverantwortliche in Deutschland soziale und ökologische Aspekte zu wenig beachten. Es passiert außerdem immer häufiger, dass Arbeitnehmer trotz unterschriebenem Arbeitsvertrag nicht zum Job erscheinen oder direkt wieder kündigen. Zudem hat das HR-Software-Unternehmen Personio einen Standort in New York eröffnet.

Personalfokus

Studie: Personalverantwortliche vernachlässigen Sozial- und Nachhaltigkeitsfragen

Trotz zunehmender gesellschaftlicher und politischer Relevanz messen Personalverantwortliche in Deutschland sozialen und ökologischen Aspekten zu wenig Bedeutung bei. Mitarbeitende hingegen legen Wert auf die Unternehmenskultur und das soziale Engagement, werden jedoch selten in ESG-Aktivitäten (Environmental, Social, Governance) eingebunden oder entsprechend geschult. Das zeigt eine aktuelle Studie von Effectory in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Civey. Für die Studie wurden 1.900 Personalentscheiderinnen und -entscheider und 2.500 abhängig Beschäftigte in Deutschland befragt.

So gibt weniger als ein Viertel (24 Prozent) der Entscheider mit Personalverantwortung an, dass ihre Mitarbeitenden bereits zum Thema ESG geschult wurden. Gleichzeitig wünschen sich lediglich 25 Prozent Unterstützung durch die Geschäftsführung bei der Durchführung von ESG-Schulungen. Unter den beschäftigten Befragten sind es nur 24 Prozent, denen das gesellschaftliche Engagement ihres Arbeitgebers überhaupt nicht wichtig ist.

Dennoch ist mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Mitarbeitenden wenig oder gar nicht in das soziale oder ökologische Engagement ihres Arbeitgebers involviert.

Dies betrifft vor allem Mitarbeitende zwischen 18 und 29 Jahren (71 Prozent).

Wirtschaftlichkeit überwiegt soziales und ökologisches Bewusstsein

Mitarbeitende sind nicht nur wenig in ESG-Aktivitäten involviert, von ihnen wird zudem erwartet, dass sie eher ökonomisch als sozial denken. Bei der Frage nach den wichtigen Fähigkeiten für den nachhaltigen Aufbau eines Unternehmens dominieren Antworten wie langfristiges Denken entwickeln (63 Prozent), Fähigkeiten zur Konfliktlösung beherrschen (57 Prozent) und die wirtschaftlichen Folgen des Handelns kennen (55 Prozent). Das Verständnis für Diversität und Inklusion (26 Prozent), ethisches Bewusstsein (34 Prozent) und Verantwortung für die Umwelt (38 Prozent) werden deutlich seltener genannt.

Zwar hält fast die Hälfte (48 Prozent) der Personalverantwortlichen das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens für besonders relevant, um neue Mitarbeitende zu gewinnen. Im Vergleich zu anderen Aspekten landen soziales (12 Prozent) und ökologisches Engagement (4 Prozent) aber auch hier auf den hinteren Plätzen. Weitaus wichtiger für die Personalgewinnung sind die Gehaltsstrukturen (47 Prozent), flexible Arbeitszeitmodelle (46 Prozent) sowie Weiterbildungsangebote und Aufstiegschancen (33 Prozent). 

Relevanz soziales Engagement (Grafik: Civey)

Ghosting beim Jobantritt: Wenn die neuen Kollegen nicht kommen…

Mit der Vertragsunterschrift ist das Recruiting aktuell längst nicht abgeschlossen. Mehr als jeder zehnte Jobsuchende hat schon einmal einen Arbeitsvertrag unterschrieben, dann aber die Stelle nicht angetreten. Hinzu kommen diejenigen, die innerhalb der ersten 100 Tage wieder kündigen – mittlerweile sind das 21 Prozent. Ihr Anteil hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt. Das zeigt der zweite Teil der aktuellen Studie „Candidate Experience 2023“, für die das HR-Tech-Unternehmen softgarden 3.811 Bewerbende befragt hat.

Angebotsfülle produziert Wackelkandidaten

Sechs Prozent der Befragten haben den unterschriebenen Arbeitsvertrag vor Antritt der Stelle schon einmal gekündigt. Hinzu kommen vier Prozent, die einen Arbeitsvertrag unterschreiben und dann die Stelle einfach nicht antreten, ohne formal zu kündigen. Das hat vor allem mit der aktuellen Arbeitsmarktsituation zu tun. „Ein besseres Jobangebot“ ist mit 41 Prozent der wichtigste Grund, der von denjenigen genannt wird, die ihren Job schon einmal trotz Vertragsunterschrift nicht angetreten haben.

Kündigung während der ersten 100 Tage

Auch nach Arbeitsantritt sind Kandidaten eigentlich noch nicht für das Unternehmen gewonnen. „Hast du schon einmal während der ersten 100 Tage den Job gekündigt?“ Diese Frage hat softgarden zum ersten Mal 2018 und auch 2023 für die aktuelle Umfrage gestellt. Die Antworten zeigen eine beunruhigende Entwicklung: Aktuell beantworten die Frage 21 Prozent mit „Ja“, 2018 waren es erst 12 Prozent.

Die ersten Monate im neuen Job werden mehr und mehr zur „Probezeit für Arbeitgeber“.

Großer Anteil an Risikoeinsteigern

Zu den 21 Prozent, die den neuen Job tatsächlich schon einmal gekündigt haben, kommen aktuell weitere 16 Prozent, die schon einmal „kurz davor“ standen. Der Anteil der Risikokandidaten in der Onboarding-Phase liegt vor dem Hintergrund eines schwieriger werdenden Arbeitsmarkts bei über einem Drittel. Bei Menschen mit einfachem Schulabschluss (Haupt- oder Realschule) ist der Anteil derjenigen, die schon einmal während der ersten 100 Tage den Job gekündigt haben, mit 31 Prozent übrigens wesentlich höher als bei Akademikern. Hier beträgt er 17 Prozent.

Gründe für den frühen Jobabbruch

Was sind die Gründe für die Kündigung in der Einarbeitungsphase? Hier werden von einer Mehrheit drei Faktoren genannt: ein zu großer Unterschied zwischen den in der Bewerbungsphase gemachten Versprechungen und der Jobrealität (71 Prozent), unfähige oder unsympathische Führungskräfte (67 Prozent) sowie ein fehlender Plan bei der Einarbeitung (57 Prozent). Zwischen Männern und Frauen gibt es Unterschiede. Besonders auffällig sind sie bei zwei Faktoren: Mehr Frauen (60 Prozent) als Männer 54 Prozent geben als Kündigungsursache ein fehlendes Einarbeitungsprogramm an. Ebenso nennen mehr Frauen (71 Prozent) als Männer (63 Prozent) die Führungskraft als Kündigungsgrund (jeweils addierte „trifft eher zu“- und „trifft voll zu“-Werte).

Personio eröffnet Standort in New York

CEO Hanno Renner (Bild: Personio)

CEO Hanno Renner (Bild: Personio)

Das HR-Software-Unternehmen Personio eröffnet seinen ersten Standort in den Vereinigten Staaten. In Soho, New York, befindet sich ab sofort der Standort für Mitarbeitende in den USA, der dem Unternehmen zufolge als Hub für neue Talente, insbesondere aus dem Technologiebereich, dienen soll. Personio plant, sein Team in den USA in den kommenden Monaten deutlich zu erweitern. Die Neueinstellungen fokussieren sich dabei auf technische und produktbezogene Rollen, um weiterhin Lösungen zu entwickeln, die speziell für europäische KMUs konzipiert sind. Bisland ist Personio in München, London, Madrid, Dublin, Berlin, Barcelona und Amsterdam präsent.

Hanno Renner, Mitgründer und CEO von Personio, kommentiert: „Unser Com­mit­ment, die führende HR-Software für kleine und mittelständische Unternehmen in Europa zu entwickeln, hat zu einem konstant schnellen Unternehmenswachstum geführt, selbst in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Unser neuer Standort in New York unterstützt uns bei der weiteren Entwicklung, indem wir Expert:innen aus den USA für Personio gewinnen können, die sich für unsere Vision und den Erfolg unserer Kunden begeistern.” 

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