Nachbericht Copetri Convention Personalmanagement wird agiler und beweist sich zunehmend in der Rolle des Transformationsbegleiters

Komplexer, diverser, nachhaltiger, volatiler und digitaler – so stellt sich das Umfeld dar, in dem sich Personalmanager heute bewegen. Welche Herausforderungen und spannenden Projekte sich daraus ergeben, erlebten und diskutierten die Teilnehmenden der COPETRI Convention 2023 am 23. und 24. Mai. PERSONALintern war vor Ort dabei.

COPETRI Convention (Bild: Adrian Müller und Simon Hofmann für COPETRI)

Nicole Engenhardt-Gillé, Vorständin Personal und ESG bei der Freenet AG, während ihrer Keynote zu „HR meets ESG“. (Bild: Adrian Müller und Simon Hofmann für COPETRI)

Man kann nicht überall sein – diese Binsenweisheit wird zur Qual der Wahl bei einer Veranstaltung wie der COPETRI Convention, die unter dem Motto „Bridging Perspectives in Challenging Times“ an zwei Tagen mit rund 230 Programmpunkten und 275 Speakerinnen und Speakern zum Themendreiklang People, Transformation und Innovation aufwartete. Dazu kamen die rund 100 HR Tech- und HR-Beratungsunternehmen, die ihre Lösungen für eine zukunftsorientierte Arbeitswelt vorstellten. Wie viele der laut Veranstalter 4.031 Besucherinnen und Besucher waren mein Kollege Jens Brümmer-Jerkovic und ich als frischgebackene Verantwortliche für PERSONALintern nach Fredenhagen bei Offenbach gekommen, um zu erfahren: Wohin geht die Reise unserer Wirtschaft angesichts vielfältiger Herausforderungen und welche Rolle kann die Personalfunktion bei ihrer Gestaltung spielen? Wir haben aus dem vielfältigen Angebot gewählt und folgende Eindrücke gewonnen.

Mehr Agilität und Gastgeberqualitäten sind gefragt

„Quo vadis HR?“ lautete passend zu unserer Suche der Titel von gleich zwei Diskussionsrunden, die Sven Franke, CEO der CO:X GmbH und Vorsitzender des Inspiring Network e.V. (ehem. Wege zur Selbst-GmbH) leitete: Einmal mit Praktikern und einmal mit Teilen des Science Boards seiner Initiative.

Zunächst sprach er mit Katrin Schwerdtner, Head of People & Culture beim Anbieter für nachhaltiges Banking Tomorrow GmbH, Jürgen Failing, Personalleiter beim Catering-Unternehmen WISAG, Stefan Bauer, Director Transformation and Strategy bei Eli Lilly and Company und Aldina Salihodzic, People & Culture Lead bei der Team23 Steuerberatung GmbH. Deutlich wurde, dass Personalabteilungen heute oft noch gefordert sind, dass durch die Corona-Zeiten geboosterte hybride Arbeiten in produktive und identitätsstiftende Bahnen zu lenken. Hier ist noch vieles im Fluss. Zudem besteht der Anspruch Personalarbeit agiler zu gestalten. Tenor: Personalmanagement sollte, auch im Sinne breiterer Akzeptanz in der Belegschaft, mehr auf Trial & Error setzen und iterativer vorgehen. Darüber hinaus ist People Management bei Change-Projekten gefragt. Aber wie? Hängen blieb eine eingängige Metapher von Katrin Schwerdtner: Sie beschrieb Personalabteilungen in einer „Gastgeberfunktion“, die im Unternehmen verteilte Entscheiderinnen und Experten an einen Tisch holt.

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Diversität fördern, KI verstehen, Transformation begleiten

Um die Perspektive der Wissenschaft ging es Franke später im Gespräch mit Prof. Dr. Daniela Eisele-Wijnberger, Hamburg School of Business Administration, Prof. Dr. Hanna Heinrich, Hochschule Döpfer, und Prof. Dr. Stefan Fischer, Hochschule Pforzheim. Die allgemeine Fähigkeit zur Ambidextrie erkannten alle als zentrale Anforderung an HR. Zum Stichwort diverse Belegschaften: Aus der Wissenschaft wisse man um deren kreativen und innovativen Potenziale, so Hanna Heinrich. Diese gelte es in der Praxis noch besser zum Tragen zu bringen. Weiteres Thema war der Einsatz generativer KI – heute mitunter schon im Einsatz etwa beim Erstellen von Stellenanzeigen oder der Auswertung von Bewerbungsschreiben (glücklich, wer so viele bekommt). Daniela Eisele sah hier HR gefordert sich selbst fit für weitere Use Cases zu machen, aber auch Leitplanken für Mitarbeitende in der datenschutzrechtskonformen und produktiven Nutzung von ChatGPT & Co.zu setzen. Für die Lehre bestehe angesichts der Omnipräsenz digitaler Helfer die Herausforderung herauszufinden, welche HR-Kompetenzen Studierenden unbedingt noch vermittelt werden müssen. Auf die Rolle von Personalabteilungen in der Digitalisierung angesprochen zog Stefan Fischer den Begriff „Transformationsbegleiter“ vor. Als solche sollten HRler sich weniger mit dem „Was“, sondern mit dem „Wie“ beschäftigen und in Zeiten von Instabilität für Stabilisierung und Sinnhaftigkeit sorgen.

COPETRI Convention (Bild: Adrian Müller und Simon Hofmann für COPETRI)

Sven Franke, CEO der CO:X GmbH (links) im Gespräch mit Stefan Bauer, Director Transformation and Strategy bei Eli Lilly, und Katrin Schwerdtner, Head of People & Culture. (Foto: Adrian Müller und Simon Hofmann für COPETRI)

People Management und Nachhaltigkeit bei Freenet

Sinnhaft ging es auch bei folgender Keynote zu. „HR meets ESG – a perfect match“ lautete der Titel des Vortrags von Nicole Engenhardt-Gillé, Vorständin Personal und ESG bei der Freenet AG. Sie erläuterte, wie sie mit ihrem Team sich daran machte, den nachhaltigen Wandel beim Mobilfunkanbieter so zu gestalten, dass er Führungskräfte nicht überfordert, die Bindung zu den Mitarbeitenden stärkt und alle Winkel des Unternehmens erreicht. Erster Schritt: Parallel zur Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie wurde die HR-Strategie überarbeitet. Neu als Thema: „Wie man Nachhaltigkeit als Haltung lebt“. Motto: Jeder einzelne kann etwas tun. Zur Akzeptanz trug bei, dass ESG-Managerinnen und Manager aus der Belegschaft rekrutiert wurden. Um Führungskräften ihre Multiplikatorenfunktion leicht zu machen, bekommen sie kleine Lerneinheiten als „Nuggets“ an die Hand. Zudem wurden Nachhaltigkeitsinhalte in die Ausbildung von zukünftigen Shop-Leitern und das Potenzialträgerprogramm Freenet Next integriert. Wie werden die Mitarbeitenden mitgenommen? Hier setzt Freenet auf Formate wie eine interne Podcastreihe, Nachhaltigkeitsbotschafter an verschiedenen Standorten und regelmäßige Befragungen.

In Kürze: Keine Angst vor der Zukunft, Exploit & Explore vereinbaren

Mut für die Zukunft machte Prof. Dr. Thomas Druyen in seiner Keynote über „Zukunftspsychologische Auswirkungen von Digitalisierung und Metaverse“. Der Leiter des IZZ der Sigmund Freud Privatuniversität Wien geht optimistisch davon aus, dass nachfolgende Generationen die Potenziale digitaler Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft, mit denen manche heute noch hadern oder ringen, im positiven Sinne ausschöpfen werden. Heutige Entscheiderinnen und Entscheider sollten ihnen den Weg dafür bereiten.

Mit der „Zerreißprobe zwischen Kerngeschäft und Wandel“ setzte sich Christian Schwedler auseinander. Er ist freiberuflich als Speaker tätig, verantwortet aber auch das Programm Standortentwicklung R&D bei BMW. Er beschrieb die Schwierigkeit vieler Unternehmen, den Exploit-Modus (Fokus auf Umsatz/Produktivität) mit dem Explore-Modus (experimentelle Innovation) unter einen Hut zu bringen. Ersterer dominiere in der Praxis. Häufiger Grund laut Schwedler: „Der Exploit-Modus ist die Komfortzone des Managements.“ Seiner Erfahrung nach funktioniert es nicht gut, wenn man Business Units in beiden Modi arbeiten lässt. Zielführender sei es, reine Explore-Einheiten nah am Kerngeschäft zu installieren.

Diversity geht alle an: Einfach mal ansprechen!

Last not least: Am 23. Mai war der Deutsche Diversity-Tag. Das vielschichtige Thema fand sich an zahlreichen Stellen im Programm wieder – obwohl die Organisatoren den Anlass sicher nicht brauchten. Ein Beispiel: Dass nicht nur Arbeitgeber, sondern viele von uns als Kolleginnen und Kollegen sowie Business-Kontakte Entwicklungspotenzial im Umgang mit Menschen mit Handicap haben, führte auf ebenso spannende wie bewegende Weise der Vortrag von Karen Schallert vor Augen. Die ehemalige Personalleiterin und heutige Geschäftsführerin von HandicapUnlimited hat Multiple Sklerose und sprach – im Rollstuhl sitzend – vom Fortschreiten ihrer Krankheit und positiven und frustrierenden Erlebnissen in der Arbeitswelt.

Heute berät Schallert Menschen mit Behinderung hinsichtlich ihrer Karriere und Unternehmen dazu, wie Inklusion besser gelingen kann. Beeindruckt ist sie von der Lösungsorientiertheit und dem Willen betroffener Menschen, sich einzubringen. „Für diese Menschen möchte ich da sein. Ich will, dass die sich austoben können. Weil es dazu beiträgt, dass die Arbeitswelt durch diese Menschen nahbarer wird“, sagte sie und appellierte daran, trotz Unsicherheit oder gefühlter Unbeholfenheit viel öfter den Kontakt zu suchen und zu fragen:  Was machst du? Was bewegt dich? Welche Pläne und Visionen hast du? „Schlimmeres als dass die Personen sagen, sie hätten im Moment keine Lust über ihr Handicap zu sprechen, kann nicht passieren.“ Stimmt eigentlich, sollte man mal ausprobieren.

Auf der Rückfahrt waren Jens Brümmer-Jerkovic und ich uns übrigens einig, dass der Besuch des zweiten Veranstaltungstages sich für uns sicher gelohnt hätte. Machen wir 2024, wenn die COCON am 14. und 15. Mai 2024 wieder am selben Ort stattfinden wird.

Weitere Informationen und Bilder zur Veranstaltung gibt es hier.

 

Über die Person

Alexander Kolberg ist Redakteur für die Portale PERSONALintern.de, marktforschung.de und CONSULTING.de. Er verfügt über mehrjährige Redaktionserfahrung bei Fachpublikationen im Bereich Personalmanagement und war zudem über vereinhalb Jahre als Referent für einen Industrieverband tätig.
E-Mail: alexander.kolberg(at)personalintern.de

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