Nachbericht zur STAFFINGpro Mit Hirn & Verstand und digitalen Prozessen zu Effizienz und zufriedenen Kunden

Am 18. Oktober fand in Wiesbaden die zweite Ausgabe der Messe STAFFINGpro statt, die sich an Personaldienstleister, Personalberater und Zeitarbeitsunternehmen richtet. PERSONALintern war vor Ort dabei und berichtet vom Branchenevent, bei dem sich vieles um das Thema Digitalisierung drehte.

Die Stände im Wiesbadener Rhein Main Congress Center waren gut besucht. (Bild: Julius Hatt / HRM Institute)

Lösungen und Learnings für die Staffingbranche versprach die zweite Ausgabe der Branchenmesse für Personaldienstleister, Personalberater und Zeitarbeitsunternehmen. Über 50 Aussteller und über 800 Besucherinnen und Besucher folgten am 18. Oktober 2023 dem Ruf und fanden sich im Wiesbadener Rhein Main Congress Center ein. Reichlich Input konnten sich die Teilnehmenden nicht nur an den Ständen, sondern auch in einem breiten Vortragsprogramm einholen. Wie Alexander R. Petsch, Geschäftsführer des Veranstalters HRM Institute, auf den Messetag zurückblickt, lesen Sie im Interview. Doch zunächst zu unseren Eindrücken, beginnend nach dem Prinzip „Ehre, wem Ehre gebührt“.

Preise für Persönlichkeiten und Konzepte

Denn unter anderem wurden im Rahmen der STAFFINGpro zwei Preise verliehen – Ausdruck eines verbreiteten Bedürfnisses in der immer noch nicht überall mit bestem Ruf behafteten Branche, die eigenen Leistungen für Wirtschaft und Gesellschaft (Stichworte Integration, Schaffung sozialversicherungspflichtiger Jobs) wenigstens in den eigenen Reihen etwas mehr herauszustellen. Den „The Staffing Leader Award“ hatten der Messeveranstalter HRM Institute und der Branchenverband für „white collar“-Staffingunternehmen APSCo Deutschland ausgelobt. Er richtet sich an Geschäftsführende und Managing Directors in der Personaldienstleistungs- und Personalberatungs-Branche und würdigt herausragende unternehmerische Leistungen und werteorientiertes Handeln in dieser Branche. Den Preis entgegennehmen durfte am Vorabend der Messe Florian Wiedner, Gründer der Aristo Group, im feierlichen Rahmen im Kurhaus Wiesbaden. Er darf sich jetzt „The Staffing Leader of the Year 2023” nennen.

Die Preisverleihung des "The Staffing Leader Award", von links nach rechts: Alexander Petsch, HRM Institute; Florian Wiedner, Aristo Group; Jonas Lünendonk, der Laudator der Awardverleihung; Thomas Andre Sola, APSCo Deutschland. (Bild: Julius Hatt / HRM Institute)

Aus Liebe zur Personaldienstleistung

We love PDL – so heißt die Initiative, die Marc Linkert und Marco Kainhuber von der MaMa Events & Services GmbH im Jahr 2022 gründeten. Aus der Liebe zur Personaldienstleistung hoben sie den „Deutschen PDL-Award“ aus der Taufe. Hier die ersten drei Sieger, die ein fünfköpfiges Kuratorium kürte:

  • In der Kategorie „Innovation“ gewann die ZENJOB AG für eine Applikation, die sie ursprünglich für Nebenjobber entwickelt hatten, aber inzwischen für Zeitarbeitsunternehmen weiterentwickelten. Sie erleichtert den tageweisen Einsatz von Zeitarbeitskräften.
  • In der Kategorie „Migration“ wurde die Deutsches Personalmanagement GmbH für ihr Engagement bei der Rekrutierung unter anderem von Pflegekräften, ITlern und Lastwagenfahrern aus Indien ausgezeichnet. Preiswürdig u. a.: Das Unternehmen arbeitet eng mit Sprachschulen vor Ort zusammen, die Kandidaten vor ihrem Umzug sprachlich fit machen.
  • Für sein „Lebenswerk“ wurde schließlich Werner Stolz ausgezeichnet. Der langjährige Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) wurde für seine Verdienste um die Branche geehrt. Dazu gehören die Etablierung eines Ethik-Kodex, die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und sein Einsatz für die Entstehung des kürzlich gegründeten Gesamtverbandes der Personaldienstleister (GVP), für den er als Vertrauensanwalt tätig sein wird.

IT-Lösungen optimieren Prozesse und machen Ressourcen frei

An den Ständen und im Vortragsprogramm wurde eines besonders deutlich: Auch aufgrund von Fachkräftemangel in den eigenen Reihen verspricht sich die Branche viel von einer weiteren Digitalisierung der eigenen Prozesse. Wie fast überall hält auch Künstliche Intelligenz Einzug. Dass sich eine entsprechende Investitionsbereitschaft inzwischen etabliert hat, bestätigten Markus Budde und Stefan Kramer von zvoove anhand ihrer Befragung „Industry Pulse 2023“. „Connected Recruiting – Das Perpetuum Mobile der Personaldienstleistung“ lautete der Vortrag von Gregor Gericke und Roman Vonderhecken, beide Account Executives bei Bullhorn. Sie beschrieben, wie eine Digitalisierungsstrategie für Staffing-Unternehmen am Talent Relationship Lifecycle beziehungsweise seinen Phasen Attract, Engage, Onboard und Nurture ausgerichtet werden kann. Bei Bullhorn übernimmt inzwischen eine KI Teile der Kommunikation mit Kandidaten, um Recruiter zu entlasten.

Gleiches verspricht auch „Mona“ zu tun, die Felix Adam, CEO und Gründer der MONA AI GmbH, vorstellte. Mona, so das Versprechen, vereint die Rolle des Recruiters, Disponenten und HR-Managers in sich, spricht verschiedene Sprachen und telefoniert beispielsweise selbstständig mit Kandidaten, die sich gerade neu auf der Plattform registriert haben. Mit „KI, Big Data und Smart Data für Personaldienstleister“ setzte sich wiederum Hartmut Lüerßen, index Internet und Mediaforschung, auseinander. Er beschrieb unter anderem, wie Zeitarbeitsunternehmen anhand regionalisierter Arbeitsmarktdaten ihr Business optimieren können.

Personaldienstleistung bleibt People Business

Einig waren sich alle Branchenteilnehmer, mit denen PERSONALintern auf der Messe ins Gespräch kam: Am Ende bleiben Personaldienstleistung und Personalberatung „People Business“, bei dem der Kontakt zwischen Menschen und persönliches Vertrauen zentral bleiben.

An dieser Stelle legte Simone Straub („Der Personalberater Coach“) den Finger in die Wunde und deckte Verbesserungspotenziale in Sachen Vertrieb und Marketing von Personalberatungen auf. In ihrer Keynote „No Brain, no gain. Wie sich unsere Branche durch Gedankenlosigkeit selbst sabotiert“ verglich Straub die Branche im Sinne einer analogen Qual der Wahl für Kunden (viele Anbieter mit vergleichbarer Dienstleistung) mit einem Marmeladenregal im Supermarkt. Kunden entschieden sich, sofern noch nicht auf eine Marke/Geschmacksrichtung festgelegt, entlang der drei Kriterien „Gesamteindruck / Branding“, „Kommunikation“ und „Qualität“. Was Personalberater besser machen könnten, beginne – Stichwort: Erster Eindruck – schon bei der Vorstellung: Der Klassiker Name/Firma/Position könnte ja mal um einen konkreten Mehrwert oder eine Botschaft ergänzt werden. Auch sollte in der Kommunikation vermehrt auf verbreitete Ärgernisse auf Kundenseite („falsche Kandidaten“, „dauert zu lange“, …) eingegangen werden – etwa durch einen Hinweis auf gute Quoten bei Gesprächseinladungen von Kandidaten oder deren spätere Verweildauer im Unternehmen. Qualität könne man gut durch Kundenempfehlungen/Referenzen auf der Webseite nachweisen, müsse diese aber auch leben. Als Beispiel nannte Simone Straub eine gute Interview-Nachbereitung („Hier sind wir oft schlampig!“) und empfahl die Nutzung von Checklisten und Standards.

Simone Straub während ihrer Keynote. (Bild: Julius Hatt / HRM Institute)

Der Wandel zum Kandidatenmarkt

Spannend auch der Vortrag von Louisa Eisert, Senior Abteilungsleiterin bei Hays, zum „Kandidatenmarkt der Zukunft“. Sie stellte anhand demografischer Daten noch einmal die Bedeutung für die deutsche Wirtschaft heraus, alle Potenziale (auch im Ausland) zu heben. Zudem beschrieb sie vor dem Hintergrund einer gewandelten Arbeitsmarktsituation Handlungsbedarf im Umgang mit Zeitarbeitnehmern. „Vor zehn Jahren gab es noch wenig Fokus darauf, ob Kandidaten glücklich sind in dem Projekt.“ Bei Hays reagierte man durch die Etablierung eines Care-Konzeptes mit eigens abgestellten Mitarbeitenden, die sich um deren Wohlbefinden kümmern. Kleiner Exkurs: Die zunehmende Bedeutung von psychischer und physischer Gesundheit am (Zeit-)Arbeitsplatz fand sich durchaus auch an einigen Messeständen und in weiteren Vorträgen wieder. Vor dem Hintergrund der eigenen gesteigerten Bemühungen um Rekrutierung im Ausland richtete Eisert zudem einen Appell an Kundenunternehmen: „Klingt leicht, ist aber schwierig in der Praxis. Unsere Kunden müssen sich an Englisch als Sprache gewöhnen.“

Fazit von PERSONALintern nach einem geballten Messetag: Die STAFFINGpro versprach nicht zu viel. Die Messe präsentierte konkrete Lösungen für zeitgemäße und zukunftsorientierte Personaldienstleistungen und ließ es – wie es sich für einen Branchentreff gehört – dabei auch ordentlich menscheln. Von diesem Spirit dürften am Ende dann auch die Kundenunternehmen profitieren.

 

Über die Person

Alexander Kolberg ist Redakteur für die Portale PERSONALintern.de, marktforschung.de und CONSULTING.de. Er verfügt über mehrjährige Redaktionserfahrung bei Fachpublikationen im Bereich Personalmanagement und war zudem über vereinhalb Jahre als Referent für einen Industrieverband tätig.
E-Mail: alexander.kolberg(at)personalintern.de

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