Personalfokus KI auf Vormarsch im HR, Ausbildungsvergütungen 2023, Stabilität statt Karriere gefragt

Etwa Dreiviertel der Personalverantwortlichen nutzen bereits KI-gestützte Tools, allerdings sind darunter deutlich mehr jüngere als ältere HR-Manager vertreten. Zudem sind die Ausbildungsvergütungen in Deutschland 2023 um 3,7 Prozent gestiegen – weniger als im Vorjahr. Und eine Studie von Randstad hat gezeigt, dass die meisten Arbeitnehmenden andere Prioritäten als Karriere haben.

Personalfokus

Künstliche Intelligenz im HR auf dem Vormarsch

Damit Organisationen die Vorteile Künstlicher Intelligenz ausschöpfen können, sind weiterhin viel Aufklärung über die Technologie sowie umfassende Schulungen für die Mitarbeitenden erforderlich. Dies zeigt eine neue Studie des HR-Software-Herstellers Personio, in der 500 Personalverantwortliche in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Junge Generation unter den Early Adoptern  

86 Prozent der befragten Personalverantwortlichen geben an, dass ihre Führungsebene den Einsatz von KI-Lösungen befürwortet. 74 Prozent der Personalverantwortlichen im Alter von 18 bis 34 Jahren nutzen derzeit bereits ein KI-gestütztes Tool; unter den über 55-Jährigen sind es nur 50 Prozent.

Kosteneinsparungen und Effizienz als Treiber

92 Prozent der Personalverantwortlichen, die KI-Tools bereits einsetzen, haben Kosteneinsparungen festgestellt oder erwarten diese. Gleichzeitig nennt fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) das Recruiting neuer Mitarbeitenden als eines der zentralen Felder, in denen der Einsatz von KI merkliche Vorteile verschaffen kann. 64 Prozent geben an, dass sie durch den Einsatz von KI bestimmte Aspekte von HR-Prozessen beschleunigen können.

Angst vor Jobverlust und Datenschutzbedenken primäre Herausforderungen

70 Prozent der Befragten geben an, innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate generative KI-Lösungen im HR-Bereich implementieren zu wollen. Es gibt aber weiterhin Vorbehalte und Hürden: Knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent) nennen die Angst vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust als größte Herausforderung bei der Einführung von KI, dicht gefolgt von Datenschutzbedenken (43 Prozent). Einigkeit unter Personalentscheidenden herrscht auch beim Thema Schulungen: 95 Prozent geben an, dass Schulungen und Trainings nötig sind, um generative KI erfolgreich in Personalprozessen einsetzen und Akzeptanz unter den Mitarbeitenden schaffen zu können.

Jasmin Boneberger, Organisational Development & Effectiveness Manager bei Personio, kommentiert: „Als die ersten Computer im Arbeitsleben genutzt wurden, mussten die Mitarbeitenden den Umgang mit Excel lernen. Mit KI verhält es sich genauso. Die Einführung von KI-Lösungen muss mit Schulungen und Weiterbildungen einhergehen, sowohl für die Personalabteilungen als auch für die Mitarbeitenden. Indem wir die Belegschaft mit den Fähigkeiten für einen verantwortungsvollen und effektiven Umgang mit KI ausstatten, können wir ihre Ängste vor dem Verlust des Arbeitsplatzes in Motivation umwandeln und die Erfahrung der Mitarbeitenden insgesamt verbessern.

Die komplette Studie steht hier zur Verfügung.

Ausbildungsvergütungen 2023: Anstieg um 3,7 Prozent

Die tariflichen Ausbildungsvergütungen in Deutschland sind 2023 im Vergleich zum Vorjahr im bundesweiten Durchschnitt um 3,7 Prozent gestiegen. Der Anstieg lag damit unterhalb des Vorjahresniveaus (4,2 Prozent). Die Auszubildenden in tarifgebundenen Betrieben erhielten im Durchschnitt über alle Ausbildungsjahre 1.066 Euro brutto im Monat. Für Auszubildende in Westdeutschland ergab sich mit 1.068 Euro ein leicht höherer Durchschnittswert als für ostdeutsche Auszubildende mit 1.042 Euro. Dies sind zentrale Ergebnisse der Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütungen für das Jahr 2023 durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Zwischen den Ausbildungsbereichen unterschieden sich die Ausbildungsvergütungen ebenfalls deutlich. Über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 1.066 Euro lagen die tariflichen Ausbildungsvergütungen im öffentlichen Dienst, in Industrie und Handel, in der Hauswirtschaft und in der Landwirtschaft, darunter im Handwerk und in den freien Berufen (siehe Grafik).

Ausbildungsvergütungen (Grafik: BIBB)

Spitzenreiter: Angehende Milchtechnologen und Zimmerer

Die im gesamtdeutschen Durchschnitt höchsten tariflichen Ausbildungsvergütungen wurden im Beruf Milchtechnologe/-technologin mit monatlich 1.307 Euro gezahlt. Der Spitzenreiter der Vorjahre - Zimmerer/Zimmerin - landete auf Platz 2 (1.264 Euro). In 13 Berufen lagen die tariflichen Vergütungen im Durchschnitt über alle Ausbildungsjahre bei 1.200 Euro oder mehr. Hier finden sich, neben den genannten Berufen, vor allem Berufe aus dem Baugewerbe wie Maurer/-in (1.229 Euro) oder Rohrleitungsbauer/-in (1.250 Euro), ferner zum Beispiel Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen (1.245 Euro). Insgesamt erhielten etwa zwei Drittel der Auszubildenden, die in einem tarifgebundenen Betrieb lernten, 2023 eine Ausbildungsvergütung von mehr als 1.000 Euro, fast ein Drittel sogar mehr als 1.150 Euro.

Bei rund zehn Prozent der Auszubildenden lagen die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2023 unterhalb von 850 Euro. Für 14 Berufe wurde ein bundesweiter Durchschnittswert von weniger als 900 Euro ermittelt. Die meisten dieser Berufe gehören zum Handwerk, zum Beispiel Maler/-in und Lackierer/-in (891 Euro), Schornsteinfeger/-in (847 Euro) oder Friseur/-in (691 Euro), dem Beruf mit den insgesamt niedrigsten tariflichen Ausbildungsvergütungen. Aufgrund eines überdurchschnittlich hohen Tarifabschlusses verzeichnete der Beruf Bäcker/-in einen deutlichen Sprung von 782 Euro auf 970 Euro und gehört nicht mehr zu den Berufen mit besonders niedrigen durchschnittlichen tariflichen Vergütungen.

Reallohnverluste zum Teil durch Sonderzahlungen ausgeglichen

Aufgrund der hohen Inflation mussten die Auszubildenden laut BIBB - so wie die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - wie bereits 2022 und 2021 Reallohnverluste hinnehmen. Allerdings werden die zum Teil umfangreichen Sonderzahlungen, die in den Tarifverhandlungen der letzten beiden Jahre auch für Auszubildende ausgehandelt wurden, in die Berechnungen nicht mit einbezogen, da diese sich alleine auf die vereinbarten monatlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen beziehen.   

Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse gibt es hier.

Karriere? lieber nicht - Deutsche Arbeitnehmende wollen Stabilität statt Verantwortung

Schneller, höher, weiter - das trifft auf einen Großteil der deutschen Arbeitnehmenden nicht zu, wie das aktuelle Randstad Arbeitsbarometer zeigt. Im internationalen Vergleich wird deutlich: Karriere ist für viele kein Treiber mehr. Stattdessen verschieben sich die Prioritäten in Richtung von Stabilität und Vereinbarkeit mit dem Privatleben.

53 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland möchten in ihrem aktuellen Job bleiben und haben keine Ambitionen, die Karriereleiter weiter hinaufzusteigen. Nur 31 Prozent möchten eine leitende Position übernehmen. Das sind Ergebnisse des aktuellen Randstad-Arbeitsbarometers, das nationale und globale Trends auf dem Arbeitsmarkt sichtbar machen will und in 34 Ländern durchgeführt wird. Zum Vergleich: Weltweit wollen 47 Prozent der befragten Arbeitnehmenden mehr Verantwortung im Management übernehmen und nur 39 Prozent der Arbeitnehmenden weltweit haben sich in ihrer aktuellen Position dauerhaft eingerichtet.

Arbeitsbarometer 2024 (Grafik: Randstad Deutschland)

Entwicklung verliert an Stellenwert, Privatleben gewinnt an Bedeutung

Weiterentwicklung im Job nimmt tendenziell in Deutschland eine untergeordnete Rolle ein. 58 Prozent wollen trotz fehlender Entwicklungsmöglichkeiten in der aktuellen Rolle bleiben. Kündigen würden dagegen nur 24 Prozent, wenn sie keine Entwicklungsperspektiven im Job sehen. International liegt der Schnitt hier mit 35 Prozent deutlich höher. Dagegen würden 41 Prozent der deutschen Beschäftigten eine Kündigung erwägen, wenn ihr Job sie davon abhielte, ihr Leben zu genießen.

55 Prozent stellen ihr Privatleben über den Job. „Wir sehen eine Individualisierung bei den Prioritäten, den Ambitionen und der Motivation von Arbeitnehmenden“, sagt Richard Jager, CEO von Randstad Deutschland. „Deshalb gibt es auch keine Einheitslösung für Arbeitgeber, um Talente für sich zu gewinnen und zu halten.“

Individuelle Bedürfnisse wichtig für Mitarbeiterbindung

Immerhin 47 Prozent der deutschen Arbeitnehmenden haben laut eigener Aussage durchaus ehrgeizige Pläne für ihren beruflichen Werdegang. Nur wie dieser aussehen soll, ist sehr individuell und lässt sich Randstad zufolge nicht mit der klassischen Beförderung ins Management von Unternehmen abbilden.

Aufgabe der Unternehmen sei es daher, zu verstehen, dass die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden Schlüsselfaktoren für Arbeitszufriedenheit und Motivation sind. „Es ist für Arbeitgeber unerlässlich, regelmäßig mit ihren Mitarbeitenden über deren Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf Flexibilität, Karriere, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten zu sprechen," so Richard Jager.

Hintergrund: Die Befragung wurde online unter Arbeitnehmenden im Alter von 18 bis 65 Jahren durchgeführt, die mindestens 24 Stunden pro Woche einer bezahlten, nicht selbständigen/freiberuflichen Tätigkeit nachgehen. Die Mindeststichprobengröße beträgt laut Randstad 800 Interviews pro Land.

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