Gesundheit und Arbeitgebermarke Die betriebliche Krankenversicherung – ein unterschätztes Juwel für die Mitarbeiterbindung

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels rückt die Mitarbeiterbindung mehr denn je in den Fokus von Unternehmensstrategien. Ein häufig unterschätzter Baustein ist dabei die betriebliche Krankenversicherung, findet Björn Keinert. Der Experte für bKV- und bAV-Themen ist überzeugt: Als Benefit-Programm kann sie nicht nur die Gesundheit der Mitarbeitenden fördern, sondern auch einen erheblichen Beitrag zu deren Zufriedenheit leisten.

Arztbesuch (Bild: picture alliance / Zoonar | lev dolgachov)
Ein Vorteil der betrieblichen Krankenversicherung: Familienmitglieder können mitversichert werden. (Bild: picture alliance / Zoonar | lev dolgachov)

Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Nicht nur der Fachkräftemangel, sondern auch die Erwartungen der Arbeitnehmer an ihre Arbeitgeber haben zugenommen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, nicht nur qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen, sondern sie auch langfristig zu halten. In diesem Kontext gewinnt die Mitarbeiterbindung zunehmend an Bedeutung.

Warum Mitarbeiterbindung?

Es ist kein Geheimnis, dass der Verlust von qualifizierten Mitarbeitern hohe Kosten verursacht. Recruiting-Prozesse, Einarbeitung und der Verlust von Wissen und Erfahrung sind nur einige der Faktoren, die ins Gewicht fallen. Daher ist es für Unternehmen von strategischer Bedeutung, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Mitarbeiter zu binden.

In diesem Zusammenhang erweist sich die betriebliche Krankenversicherung als ein Schlüsselelement für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung.

Traditionell waren Krankenversicherungen Sache der Mitarbeitenden, doch moderne Unternehmen gehen einen Schritt weiter und bieten ihren Angestellten maßgeschneiderte Lösungen an. Das große Plus: Die betriebliche Krankenversicherung geht über die Standardleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung hinaus und bietet zusätzliche Vorteile.

Die fünf großen Vorteile einer betrieblichen Krankenversicherung

  1. Versicherbarkeit jedes Mitarbeitenden! Egal ob jung oder alt, gesund oder krank – jeder Mitarbeiter kann in den Genuss einer betrieblichen Krankenversicherung kommen – ohne Gesundheitsprüfung. Das bedeutet, dass alle Vorerkrankungen, laufende und geplante Behandlungen mitversichert sind. Indem zusätzliche Leistungen für Arztkosten, Medikamente oder auch alternative Heilmethoden übernommen werden, reduziert das die finanziellen Sorgen der Mitarbeiter und trägt zur schnelleren Genesung bei.
  2. Versicherungsschutz auch für Familien-Angehörige möglich – ebenfalls ohne Gesundheitsprüfung. Damit erfolgt eine hohe Wertschätzung gegenüber den Familienangehörigen, stärkt sich die Unternehmensidentifikation und es führt zu einer höheren Bindung gegenüber dem Arbeitgeber.
  3. Es gibt keine Wartezeiten – alle Mitarbeitenden haben sofortigen Zugriff auf die gesundheitlichen Benefits und Mehrwerte. Dadurch besteht die Möglichkeit, präventive Maßnahmen zu ergreifen und die Gesundheit der Mitarbeiter aktiv zu fördern. Ein gesundes Team ist nicht nur produktiver, sondern auch weniger von krankheitsbedingten Ausfällen betroffen.
  4. Fairnessprinzip: Die Beiträge für die Mitarbeitenden sind identisch, unabhängig von Alter und Geschlecht, somit werden ältere Mitarbeitenden nicht durch höhere Beiträge schlechter gestellt und haben den Zugang zu den gleichen Gesundheits-Benefits wie jüngere Mitarbeiter, ohne finanzielle Mehrbelastung für den Arbeitgeber.
  5. Sinnvolle Alternative zur Gehaltserhöhung – ohne Zusatzkosten für Steuern- und Sozialabgaben kommt ein direkter Mehrwert bei den Mitarbeitenden an. Neben dem Gehalt spielen heute eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle bei der Entscheidung nach dem „richtigen“ Arbeitgeber. Eine umfassende Krankenversicherung kann den Unterschied ausmachen, wenn es darum geht, die besten Talente für sich zu gewinnen.

Vorteile für den Arbeitgeber

  1. Abgrenzung von den Wettbewerbern und hohe Attraktivität für neue Mitarbeiter
  2. Stärkung des Rufs als sozialkompetenter Arbeitgeber durch die Einbindung der Familie der Mitarbeiter
  3. Die Mitarbeiteridentifikation steigt und dadurch geringere Fluktuation im Unternehmen.
  4. Sinkende Krankheitskosten und höhere Produktivität, was sich positiv auf die Umsatz- und Ertragslage des Unternehmens auswirkt.
  5. Darüber hinaus sind die Beiträge als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar.

Umsetzung in der Praxis

Bei der Realisierung einer betrieblichen Krankenversicherung ist es empfehlenswert, Experten hinzuziehen. Diese begleiten Unternehmen dabei, ein maßgeschneidertes Gesundheitskonzept für die Angestellten zu erstellen, übernehmen die Planung, Kommunikation und Abwicklung der Einführung einer betrieblichen Krankenversicherung und betreuen die Mitarbeitenden langfristig und nachhaltig. Früher sehr zeitintensiv und mit großem administrativen Aufwand verbunden reduziert sich der zeitliche Aufwand für Unternehmen dank innovativer und digitaler Tools auf ein Minimum.

Es erfolgt keine zusätzliche Belastung – sondern Entlastung, z. B. durch Reduzierung der Krankheitstage. Ergebnis: Es bleibt Zeit für das Tagesgeschäft.

Praxisbeispiele für individuelle BKV-Bausteine

Auch morgen noch ein strahlendes Lächeln!
Ein Mitarbeiter einer IT-Firma benötigt ein Implantat.
Herausforderung: Bei einer höherwertigen Versorgung liegt der Eigenanteil OHNE BKV bei rund 3.000,- EUR (Gesamtkosten 3.500,-).
Vorteile einer BKV: Dieser Eigenanteil reduziert sich je nach Tarif auf wenige hundert Euro.
Ergebnis: Der Mitarbeiter erhält ein hochwertiges und langlebiges Implantat, Folge-Behandlungskosten werden reduziert. Und ein strahlendes Lächeln ist entscheidend im Kundenaustausch.

Die beste Versorgung im Notfall, z. B. im Krankenhaus
a) Regionaler Handwerksbetrieb als Zimmermann mit einem Vorarbeiter

Herausforderung: medizinisch notwendige OP des Vorarbeiters – es drohte eine lange Ausfallzeit und mangelnde Betreuung der Baustellen, dadurch mögliche Umsatzeinbußen.
Vorteile einer BKV: beste ärztliche Betreuung durch Chefarztbehandlung und Ruhe durch Ein- und Zweibettzimmer.
Ergebnis: Der Genesungsprozess verläuft schneller und störungsfreier – der leitende Vorarbeiter ist wieder früher einsetzbar und Aufträge können wie vereinbart abgearbeitet werden.

b) Ein Angestellter aus einem größeren Konzern hat einen (privaten) Fahrradunfall und erleidet einen komplizierten Knöchelbruch
Herausforderung: schnelle und gute ärztliche Betreuung notwendig, um mögliche Komplikationen und Ausfallzeiten zu reduzieren. 
Vorteile einer BKV: Krankentransport zum Spezialisten, Operation inklusive 8 Tage Krankenhausaufenthalt bei gleichzeitiger Chefarztbehandlung und Unterbringung in
Ein- oder Zweibettzimmer.
Ergebnis: Keine Nach-OP erforderlich, zügiger Beginn mit den Reha-Maßnahmen, 100 Prozent-ige Wiedererlangung der Beweglichkeit und schnellere Einsetzbarkeit des Angestellten.

Optimale GesundheitsVORsorge
Ein Dachdeckerunternehmen aus dem Kölner Raum mit mehr als 10 Angestellten.
Herausforderung: Durch die harte, körperliche Arbeit kommt es mit steigendem Alter vermehrt zu Rückenproblemen und – im schlimmsten Fall – zu langen Ausfallzeiten durch Bandscheibenvorfälle.
Vorteil einer BKV: Möglichkeit der Übernahme osteopathischer Behandlungen zur Vorsorge und Reduzierung von Rückenleiden.
Ergebnis: Angestellte waren schneller wieder einsatzfähig bzw. fallen seltener aus – was sich positiv auf die Ertragslage des Unternehmens auswirkt.

Fazit:

Die betriebliche Krankenversicherung ist nicht nur ein Instrument zur Gesundheitsförderung, sondern auch ein Schlüssel zur Mitarbeiterbindung.

In einer Zeit, in der der Wettbewerb um Talente intensiver wird, können Unternehmen durch innovative Benefit-Programme wie die betriebliche Krankenversicherung einen entscheidenden Vorteil erlangen. Unternehmen stärken ihren Ruf als sozial kompetente Arbeitgeber.

Die Investition in die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter wirkt sich positiv auf die Mitarbeiterbindung aus und trägt zur nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens bei.

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Über die Person

Björn Keinert – Finanzexperte – mit 22 Jahren Branchen-Know-How. Spezialist für Unternehmen rund um die Themen Mitarbeiterbindung und Finanzierungen. Initiator der Informations- und Netzwerkveranstaltung „Vino and Finance“.

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