Personalfokus Betriebliche Altersvorsorge in Stellenangeboten, Mitarbeiter trotz Motivation wechselwillig und Krisen in Weiterbildungsbranche

Viele Arbeitgeber werben mit betrieblicher Altersvorsorge in ihren Stellenanzeigen, so das Ergebnis einer Studie von index Research. Außerdem ist der Wille von Mitarbeitenden, bei demselben Arbeitgeber zu bleiben, auf einem neuen Tiefpunkt. Des weiteren zeigt sich, dass die Weiterbildungsbranche in den letzten Jahren durch die anhaltenden Krisen gekennzeichnet ist.

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Wie Arbeitgeber mit der betrieblichen Altersvorsorge werben

Die betriebliche Altersvorsorge ist ein Benefit, mit dem viele Arbeitgeber um neue Mitarbeiter werben. Von Januar bis August dieses Jahres standen die Begriffe „betriebliche Altersvorsorge“, „betriebliche Altersversorgung“, „bAV“ und „Betriebsrente“ in fast zwei Millionen öffentlich ausgeschriebenen Stellen – das sind 22 Prozent aller öffentlich ausgeschriebenen Positionen. Dies ist ein zentrales Ergebnis der jüngsten Stellenmarkt-Auswertung der Berliner Personalmarktforschung index Research. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2020 lag der Anteil deutschlandweit noch bei 15 Prozent. 2021 kletterte er auf 18 Prozent. 2022 stand die betriebliche Altersversorgung schon in insgesamt fast 22 Prozent der Stellenangebote.

Prozentual gesehen stand die betriebliche Altersvorsorge zwischen Januar bis August am häufigsten in Stellenangeboten für Projektmanager – genau gesagt in fast 31 Prozent aller Stellen dieser Berufsgruppe. Auf den weiteren Plätzen rangieren Gesundheits- und Pflegekräfte sowie Personaler (mit jeweils über 29 Prozent), Manager (nahezu 28 Prozent) und klassische Bürokräfte (fast 26 Prozent). In Stellenangeboten für drei besonders stark gesuchte Berufsprofile erwähnten Firmen die betriebliche Altersvorsorge in den ersten acht Monaten dieses Jahres dagegen deutlich seltener: Logistiker (über 18 Prozent), Bauarbeiter und Handwerker (rund 18 Prozent) sowie Mitarbeiter im Hotel- und Gastgewerbe (fast 16 Prozent). Quellenbasis ist die Stellenanzeigen-Datenbank index Anzeigendaten.

Mitarbeitende sind motiviert – aber wechselwillig

Der Fachkräftemangel macht sich in Deutschland immer stärker bemerkbar. Bislang schaffen es Unternehmen jedoch nicht, Talente langfristig an sich zu binden: Der Wille, bei demselben Arbeitgeber zu bleiben, ist für die Mitarbeitenden im Fünf-Jahres-Vergleich auf einen neuen Tiefpunkt gefallen. Dies geht aus dem „Employee Experience und Talent Trends Report 2023“ der Unternehmensberatung Mercer für Deutschland hervor.

Die Zahlen zeigen, dass mehr als jeder dritte Mitarbeitende in Betracht zieht zu wechseln, selbst wenn Gehalt und Leistungen bei einem neuen Arbeitgeber dieselben wären.

Interessanterweise liegt es jedoch nicht an der Motivation für die Arbeit: So stimmen 84 Prozent der Beschäftigten zu, dass sie motiviert sind, über das hinauszugehen, was normalerweise erwartet wird, um ihr Unternehmen erfolgreich zu machen. Die eigene Karriere vorantreiben und spannende Aufgaben im Arbeitsalltag lösen, kann einen positiven Einfluss auf die Mitarbeitendenbindung haben. Doch der Report zeigt: Weniger als die Hälfte (45 Prozent) der Mitarbeitenden in Deutschland gibt an, dass sie Möglichkeiten zur Karriereentwicklung im eigenen Unternehmen haben. Weltweit sind die Mitarbeitenden da optimistischer (60 Prozent).

Arbeitsverdichtung, Digitalisierung und wachsende Veränderungsgeschwindigkeit beeinflussen das Well-Being der Beschäftigten. Die Zahlen zeigen, dass Deutschland im globalen Vergleich hier abgehängt wird: Während weltweit 73 Prozent der Arbeitnehmenden angeben, dass sie eine gute Work-Life-Balance wahren können, stimmen dem nur 62 Prozent der Mitarbeitenden in Deutschland zu. Auch die Einschätzungen zu Arbeitsbelastung und dem Unternehmensinteresse am Well-Being der Mitarbeitenden liegen unter den globalen Werten.

Zur Studie: Im Rahmen von Mitarbeiterbefragungen erhebt Mercer regelmäßig Meinungen und Stimmungen von Arbeitnehmenden aus 15 Branchen, 8 Regionen und 59 Ländern. Die hier zitierten Daten für das Jahr 2023 basieren auf dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2022.

Weiterbildungsbranche durch Krisen gezeichnet

Negative Auswirkungen der Krisen seit 2020 und eine Zunahme des Wettbewerbsdrucks belasten die Weiterbildungsbranche. Dies zeigen Ergebnisse der wbmonitor-Umfrage 2022 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) unter 1.805 Weiterbildungsanbietern. Das Wirtschaftsklima in der Weiterbildungsbranche stellte sich demnach nur verhalten dar, wobei zwischen verschiedenen Anbietersegmenten deutliche Unterschiede bestanden.

Im Sommer 2022 lag der wbmonitor-Klimawert auf einer Skala von -100 bis +100 bei insgesamt +9, sechs Punkte weniger gegenüber dem Vorjahr. 2019, vor Beginn der Coronapandemie, war er mit +44 deutlich höher. Die anhaltend moderate wirtschaftliche Situation der Weiterbildungsanbieter stehe somit in Zusammenhang mit den Krisen seit 2020, so die Studienverantwortlichen.

Anbieter, die vorwiegend Qualifizierungsleistungen für Betriebe erbrachten, wiesen 2022 mit +40 den höchsten Klimawert auf. Ihr Wert ist gegenüber 2021 um neun Punkte gestiegen. Mögliche Gründe sind den Forschenden zufolge das Nachholen pandemiebedingt aufgeschobener Qualifizierungsvorhaben der Unternehmen sowie ein generell hoher Bedarf an betrieblicher Weiterbildung im Zuge digitaler und sozial-ökologischer Transformationsprozesse.

Demgegenüber war die Wirtschaftsstimmung von Anbietern, die sich mehrheitlich durch individuelle Teilnahmeentgelte finanzieren, 2022 eher gedämpft. Ihr Wert ist im Vergleich zum Vorjahr um vier Punkte auf +13 gesunken. Vermutlich bremste das zurückhaltende Ausgabeverhalten der Haushalte infolge der hohen Inflation auch die individuell getätigten Angebotsbuchungen.

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