Personalmanagement und Diversity Architektur der Vielfalt: Warum DE&I Management eine Strategie erfordert

Die Etablierung einer ganzheitlichen DE&I-Strategie sollte ähnlich wie beim Hausbau als gut durchdachtes Bauprojekt angegangen werden. Meret Scheidemann, Senior Consultant bei ACI Consulting, beschreibt anhand eines Praxisbeispiels, wie dies entlang der drei Bauphasen Analyse, Challenge und Implementierung gelingen kann.

Planung Hausbau (Bild: picture alliance / Zoonar | Sunan Wongsa-nga)
Diversity, Equity & Inclusion hat Parallelen zum Bau eines Hauses – beides braucht eine klare Strategie. (Bild: picture alliance / Zoonar | Sunan Wongsa-nga)

Warum braucht Diversity, Equity & Inclusion (DE&I) überhaupt eine Strategie? Weil es sonst so ist, wie der Versuch, ein Haus zu bauen, ohne einen klaren Bauplan zu haben. Unternehmen, die „irgendwelche Diversity-Maßnahmen“ einführen, ohne den aktuellen Status Quo zu verstehen, riskieren ein wackeliges Gebäude, das nicht den Herausforderungen des täglichen Business standhält.

Ähnlich wie beim Hausbau bedarf es eines gut durchdachten Bauprojekts, um die Mitarbeitenden auf einer soliden Grundlage mitzunehmen.

Blicken wir auf einen unserer Kunden, ein DACH-weiter IT-Dienstleister, der bereits die Grundmauern im Bereich Awareness gelegt hatte – zum Beispiel durch DACH-weite Unconscious-Bias-Trainings. Diese fokussierten unter anderem die Aspekte Chancengerechtigkeit in Personalprozessen und Teamarbeit und sensibilisierten die Führungskräfte und Mitarbeitenden dahingehend, im Arbeitsalltag auf ihre unbewussten Vorannahmen zu achten. Das Unternehmen erkannte, dass es darüber hinaus an der Zeit war, einen roten Faden in Form einer ganzheitlichen DE&I-Strategie zu entwickeln. Und entschied sich für ein konstruktives Dreiphasen-Bauprojekt, das dazu bestimmt ist, nicht nur die Wände auf solidem Grund zu errichten, sondern auch die Räume mit Leben zu füllen. Die Blaupause lieferte unser ACI-Strategie-Modell (ACI für Analyse, Challenge, Implementierung), das wir gemeinsam mit dem IT-Dienstleister folgendermaßen ausgestaltet haben.

A = Analyse: Das Fundament

In der Analysephase geht es darum, die Grundlagen des Bauprojekts zu verstehen. Bei besagtem IT-Dienstleister begannen wir mit einer internen Datengenerierung durch die Auswertung von HR- Kennzahlen und internen Unterlagen. Wie ein erfahrener Architekt, der den Baugrund sorgfältig prüft, wurde der Status Quo des Unternehmens analysiert. Zusätzlich wurde eine externe Datengenerierung durch die Analyse des Unternehmensauftritts auf sämtlichen Plattformen durchgeführt. Unter anderem schauen wir mit unserem Kunden auf die Wirkung des Unternehmensauftritts auf potenzielle Bewerbende.

Sollten tiefere Kulturanalysen notwendig sein, können auch Mitarbeitendeninterviews oder -umfragen durchgeführt werden, abhängig von der Ausgangslage des Unternehmens.

C = Challenge: Der Trockenbau

Die Challenge-Phase gleicht einem Bauprojekt, bei dem Unternehmen und Beratende gemeinsam am Bau arbeiten müssen. Bei unserem Kunden, der bereits solide Grundlagen besaß, fokussierte sich DE&I bisher stark auf die Unternehmenskultur. Das Fundament war stabil, aber die Prozesse und Strukturen waren (noch) undurchsichtig, besonders in Bezug auf Chancengerechtigkeit auf Führungsebene. Folgende Handlungsfelder wurden basierend auf dem Status Quo abgeleitet: Kommunikation, Führung, interkulturelle Zusammenarbeit und DE&I Daten. Die Ziele wurden wie Baupläne festgelegt – messbar und präzise. Beispiel: Die Verbesserung der Ergebnisse spezifischer Fragen zur interkulturellen Zusammenarbeit in der Mitarbeitendenumfrage.

I = Implementierung: Die Räume mit Leben füllen

Um die Strategie mit Leben zu füllen, müssen die Handlungsfelder und Ziele durch gezielte Maßnahmen belebt werden. Change-Management ist hier die Bauleitung der Veränderung. Die Mitarbeitenden müssen sich in die Entwicklung und Durchführung der Maßnahmen einbezogen fühlen, damit diese auch in die Kultur greifen können. Im Handlungsfeld „Führung“ wurde beispielsweise die gemeinsame Entwicklung eines DE&I-gerechten Leitbilds für Führungskräfte, inklusive messbarer DE&I-Performance-Kriterien, als relevante Maßnahme erarbeitet. Um einen klaren Plan zu haben, priorisierten wir die erarbeiteten Maßnahmen anhand einer eigens entwickelten ACI-Matrix, die sowohl den erwarteten Impact als auch die (zeitlichen, monetären, menschlichen) Ressourcen betrachtete.

Das Haus behauptet sich gegen Wind & Wetter

Mit einem klaren Bauprojekt beginnt die Konstruktion. Die DE&I Strategie wird auf den Grundmauern des Unternehmens errichtet. Doch die Bauphase endet nicht mit dem letzten Handgriff. DE&I ist ein fortlaufender Prozess, der ständige Anpassung und Reflexion erfordert. Mittlerweile hat das Engagement dieses DACH-weiten IT-Dienstleisters auch den Rest der globalen Unternehmensgruppe erreicht.

Die DACH-weite Strategie wurde zum Grundstein des globalen Ansatzes.

In diesem Praxisbeispiel wird klar, dass die Entwicklung einer DE&I Strategie von externer Unterstützung profitiert. Objektive Sichtweisen sowie die Erfahrung von Expertinnen und Experten sind in diesem Entwicklungsprozess unerlässlich. Denn wir wissen: „Culture eats startegy for breakfast“ – bedeutet, die DE&I Strategie muss mit einem kulturellen Wandel einhergehen. Die Zusammenarbeit mit einer erfahrenen DE&I-Beratung kann den entscheidenden Unterschied ausmachen, um nicht nur einzelne DE&I-Maßnahmen zu implementieren, sondern eine nachhaltige Veränderung im Unternehmen zu bewirken.

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Über die Person

Meret Scheidemann stellt als Senior Consultant bei ACI Consulting bemerkenswerte Parallelen zwischen Nachhaltigkeit und DE&I fest: Vor wenigen Jahren noch nice to have, aber heute aus der strategischen Unternehmensführung nicht mehr wegzudenken. Ein Studium in Intercultural Management und berufliche Stationen im Intercultural Consulting in New York City ebneten den Weg ins DE&I Management. Wesentliche Erfahrung brachte ihr außerdem ihre Zeit beim Axel-Springer- Konzern. Dort begleitete sie... mehr

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